Am 23. Mai veröffentlichte der Frontmann der amerikanischen Rockband Beartooth, Caleb Shomo, einen Beitrag auf Instagram, in dem er offen äußerte seine Homosexualität erklärte. Diese Anerkennung war ein wichtiges Ereignis für die schwere Musik, ein Genre, das sich historisch als Zufluchtsort für Außenstehende positioniert hat, aber in Wirklichkeit oft feindlich gegenüber der LGBTQ+-Community bleibt.
Inhaltsverzeichnis
Was ist passiert?
Caleb Shomo, der Beartooth 2012 als Soloprojekt gründete, ist mit Abstand eine der prominentesten Persönlichkeiten im modernen Metalcore, da die Band mehr als 1,8 Millionen monatliche Zuhörer auf Spotify hat. Sein Coming-out war die erste Rückkehr in die sozialen Medien, nachdem er im Februar seinen Account vorübergehend gelöscht hatte. Der Grund für die Entfernung war homophobe Belästigung, die nach der Veröffentlichung des Videos zum Song "Free" stattfand.
Nach der offiziellen Anerkennung am 23. Mai wiederholte sich die Situation: In den Kommentaren gerieten unterstützende Worte queerer Fans und aggressive Beleidigungen aus dem konservativen Teil der Community aufeinander. Einige Boulevardpresse versuchten, das persönliche Geständnis des Musikers in eine skandalöse Chronik zu verwandeln und damit die Privatsphäre von Shomo und seiner Familie zu verletzen.
Warum reagiert die Metal-Community so stark?
Auf den ersten Blick wirkt die Ablehnung queerer Menschen im Metal paradox, da diese Kultur auf Rebellion gegen gesellschaftliche Normen basiert. Wie Forscher (z. B. Robert Walzer) jedoch festgestellt haben, war schwere Musik seit langem eine "Arena für Geschlecht", die von Hypermaskulinität dominiert wird.
In diesem Umfeld wird Männlichkeit nicht nur betont, sondern als verpflichtender Standard auferlegt, was Hürden für LGBTQ+-Personen, Frauen und People of Color schafft.
Die Geschichte des Genres ist voller Beispiele extremer Grausamkeit: In den 2000er Jahren erhielten queere Künstler wie Otep Shamaya oder Mitglieder der Band Gorgoroth nach ihrem Coming-out Morddrohungen.
Gab es jemanden vor ihm?
Shomo ist nicht der erste große Künstler im Metal, der seine Ausrichtung erklärt. Das bekannteste Beispiel ist Rob Halford von Judas Priest, der 1998 auf MTV auftauchte. Lange Zeit galt es als "das am schlechtesten verborgene Geheimnis im Metal". Halford schaffte es, seinen Legendenstatus zu bewahren, was Hoffnung auf eine inklusive Szene gab, doch moderne Forschungen zeigen, dass Homophobie und Transphobie sowohl bei Konzerten als auch online weiterhin weit verbreitet sind.
Einige von Beartooths Kollegen aus der Szene treten offen als Verbündete auf: So widmete die Band Motionless In White 2017 ihren Song "Voices" der LGBTQ+-Community.
Für trans Personen in der Branche ist es noch schwieriger
Wenn der Status dazu beiträgt, die Karriere berühmter Künstler wie Shomo oder Halford nach dem Coming-out zu schützen, ist es für Neueinsteiger viel schwieriger, durchzubrechen.
- Forschungen basierend auf Interviews mit australischen Trans-Metal-Musikern zeigen, dass "Transgenderismus" oft zur "Achillesferse" der Band wird: Es ist extrem schwierig für Bands mit trans Sängern, über die lokale Ebene hinauszugehen.
- Trotz der Existenz von Initiativen wie Transgenre, die trans Künstler unterstützen, bekommen sie selten die Gelegenheit, in großen Veranstaltungsorten aufzutreten.
Was wird Caleb Shomos Geständnis verändern?
Der Einfluss von Shomo könnte ein entscheidender Faktor für den Klimawandel in der Branche sein. Als Weltklasse-Headliner hat es die Fähigkeit, queere und trans Künstler sichtbar zu machen, die seit Jahren aufgrund von Diskriminierung im Schatten stehen.
Im Moment sind die Line-ups großer Weltfestivals noch übersättigt mit cisgender heterosexuellen Männern. Shomos Beispiel und die Unterstützung seiner Verbündeten könnten dazu führen, dass die Hauptbühnen der Rockmusik endlich die echte Vielfalt widerspiegeln werden, die auf lokaler Ebene schon lange existiert.
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