McGrath Institute for Church Life an der Universität Notre Dame Veröffentlicht Bericht mit dem Titel „Wissen Sie, ob sie würdig sind?“, der neue Richtlinien zur Beurteilung von Priesteramtskandidaten vorschlägt. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Vorschläge Nr. 11 und Nr. 12, die faktisch die Eignung schwuler Männer für den kirchlichen Dienst infrage stellen und eine Atmosphäre des Misstrauens um sie herum schaffen.
Mitte Juli wurde ein Dokument mit zwölf Vorschlägen für Bischöfe und Seminarleiter zur Beurteilung der „Eignung“ von Männern für die Weihe vorgelegt. Francis DeBernardo von der Organisation New Ways Ministry weist darauf hin, dass der Bericht schwule Männer in einem negativen Licht darstellt, was Ängste verstärken und Menschen mit echter Berufung abschrecken kann und der Kirche viele neue Priester vorenthalten wird.
Das Problem liegt nicht nur in den formalen Prüfungen, sondern auch im grundsätzlichen Ansatz der Autoren:
- Sexualisierung der Identität: Themen, die Schwule betreffen, wurden in den Abschnitt „Formung zu Keuschheit und Ehelosigkeit“ eingeordnet. Dies impliziert, dass Homosexualität ausschließlich durch das Prisma der Sexualität betrachtet wird und dass die angebliche Neigung von Schwulen, den Zölibat zu brechen, als ihr Hauptproblem gilt.
- Doppelte Standards: Der Bericht geht davon aus, dass heterosexuelle Männer grundsätzlich in der Lage sind, ihre Sexualität auf gesunde Weise zu integrieren, Schwule hingegen nicht – obwohl Sexsucht bei allen gleichermaßen vorkommt.
- Fehlender Dialog: Bei der Erstellung des Berichts haben die Experten die schwulen Priester selbst nicht konsultiert, die ihre eigenen Erfahrungen am besten verstehen. Stattdessen wird ihr Leben mithilfe komplexer theologischer Abstraktionen des Lehramts beschrieben.
Nach Ansicht von DeBernardo besteht die größte Schwierigkeit für schwule Priester nicht im Zölibat, sondern in der Notwendigkeit, ihre Identität zu verbergen.
- Das erzwungene Leben „im Verborgenen“ führt zu Einsamkeit, Isolation und psychischen Traumata.
- Die Ursache dieser Probleme ist nicht die homosexuelle Identität an sich, sondern sind homophobe Richtlinien und Strukturen, die ein ehrliches und authentisches Leben verhindern.
- Die durch solche Berichte geschaffene Atmosphäre der Angst verursacht genau jene psychischen Probleme, welche die Kirche zu vermeiden versucht.
Hätten die Verfasser des Berichts mit Vertretern der LGBT-Gemeinschaft innerhalb der Kirche gesprochen, hätten sie festgestellt, dass diese Menschen nach Jahren der Ausgrenzung und der Selbstzweifel über enormen Mut und ein tiefes Verständnis der Liebe Gottes verfügen.
Ohne Schwule im Priesteramt und im Episkopat wäre die katholische Kirche erheblich geschwächt. Statt sie auszugrenzen und ihnen mit Misstrauen zu begegnen, sollte die Kirchenleitung ihren unschätzbaren Beitrag zur Verbreitung des Evangeliums dankbar anerkennen.
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