Ende der 1970er-Jahre entstand in der schwulen Community die Bewegung der „Bären“ (Bears) – großer, oft behaarter Männer, die sich in einer Mainstream-Kultur, die von glatter Haut und einem niedrigen Körperfettanteil besessen war, fehl am Platz fühlten. Jahrzehntelang war diese Subkultur eine Bastion der Body-Positivity, doch heute steht sie vor einer neuen Herausforderung: der massenhaften Verbreitung von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic und Mounjaro.
Bedeutet das das Ende der „Bären“? Journalisten und Aktivisten sind überzeugt, dass dies nicht der Fall ist.
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„Der Taillenumfang schrumpft, doch die Community wächst“
Die zentrale Frage, die heute in der Community diskutiert wird, lautet: „Geht es den Bären gut?“ Die Beliebtheit von Medikamenten zur Gewichtsabnahme hat Debatten über das Gewicht selbst in einem Umfeld nahezu unvermeidlich gemacht, das geschaffen wurde, um große Körper zu feiern.
Die Statistiken zeigen jedoch, dass die Subkultur nicht verschwindet, sondern sich wandelt. Bei den größten Veranstaltungen, etwa der Bear Week in Provincetown, steigt die Teilnehmerzahl kontinuierlich: Für 2026 werden mehr als 30.000 Menschen erwartet. Gleichzeitig beobachten die Veranstalter deutliche Veränderungen: Waren früher T-Shirts in den Größen 2X bis 4X die beliebtesten Merchandise-Artikel, ist in diesem Jahr die Nachfrage nach den Größen S, M und L stark gestiegen.
„GLP-1-Medikamente lassen den Taillenumfang in der Community schrumpfen, nicht aber die Community selbst“, stellt Frank Mahoney, Präsident der Bear Week, fest.
„Ein Bär zu sein ist eine Lebenseinstellung“
Die führenden Vertreter der Bewegung kritisieren die Mainstream-Medien (zum Beispiel, den kürzlich erschienenen Artikel in The New York Times) dafür, dass er die Situation zu stark vereinfache und den „Tod“ der Subkultur vorhersage. Richard Jones, Redakteur des Bear World Magazine, betont, dass sich die Identität als „Bär“ nie allein auf das Gewicht beschränkt habe.
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Jones zufolge waren bei den Veranstaltungen schon immer ganz unterschiedliche Menschen dabei: schlanke 25-Jährige, bärtige Männer ohne Übergewicht und Menschen, die einfach die Inklusivität schätzen. „Selbst wenn wir alle plötzlich durchschnittlich gebaut wären, würden wir trotzdem noch die Gesellschaft der anderen suchen“, betont er.
Der Historiker Les Wright, der das Leben der Community seit den 1980er-Jahren dokumentiert, erinnert an den wichtigsten Grundsatz: „Bären“ haben sich schon immer selbst definiert. Wenn sich jemand als „Bär“ bezeichnet, dann ist er einer – unabhängig davon, ob er Ozempic nimmt oder nicht.
Psychologische Dissonanz und neue Barrieren
Trotz des Optimismus der führenden Community-Mitglieder wird die Einnahme der Medikamente für viele Betroffene zu einer ernsthaften Herausforderung. Noah Heymann, Datingcoach für „Bären“ und „Chaser“ (Menschen, die auf kräftige Männer stehen), beobachtet das Phänomen einer „mentalen Dissonanz“. Wer jahrelang daran gearbeitet hat, seinen Körper als „Bär“ zu akzeptieren, kann nach einer Gewichtsabnahme das Gefühl bekommen, seine Identität verloren zu haben.
Hinzu kommen Probleme im Privatleben: Manche Chaser-Partner verlieren möglicherweise das sexuelle Interesse an einem „Bären“, der schlank geworden ist, was mitunter zur Trennung führt.
Für schwarze Mitglieder der Community wie Marquise (Mr. Bear LA ’23) ist die Situation noch komplizierter. Er weist darauf hin, dass er als schwarzer, unbehaarter schwuler Mann ohnehin häufig nicht als „echter Bär“ anerkannt wird. „Wenn ich auch nur ein wenig abnehme, wird das zu einer weiteren Hürde: Dann wird man mir sagen, dass ich nicht mehr kräftig genug bin“, erzählt er.
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Warum die Bären überleben werden
Die Mitglieder der Community sind überzeugt: Ihre Subkultur hat den „Körperfaschismus“ der Vergangenheit überlebt und wird auch das Zeitalter von Ozempic überdauern. Der Regisseur Andy Langdon, der einen Dokumentarfilm über „Bären“ dreht, ist der Ansicht, dass diese Bewegung Männern mehr als nur eine Ästhetik gegeben hat: Sie hat ihnen Kameradschaft, sexuelle Befreiung und die Fähigkeit vermittelt, Unsicherheit in Stärke zu verwandeln.
Wie der Fotograf Jeremiah Damian feststellt, liegt der Wert dieser Männer nicht in ihren Körpermaßen, sondern in dem Selbstbewusstsein, der Güte und der Inklusivität, die sie verkörpern. Letztlich geht es in der „Bärenkultur“ nicht um Körperfülle, sondern um das Recht, in jedem Körper man selbst zu sein.
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Glauben Sie, dass Medikamente zur Gewichtsabnahme das Wesen der „Bären“-Kultur verändern werden, die auf dem Protest gegen Schönheitsideale beruht? Und sind „Bären“ durch die Gewichtsabnahme für ein Mainstream-Publikum attraktiver geworden, und ist das nicht verletzend für diejenigen, die weiterhin einen fülligen Körper haben?
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