Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hat Michail Tschudakow – den stellvertretenden Generaldirektor der Organisation und einen der ranghöchsten russischen Beamten im UN-System – von seinen Aufgaben entbunden. Grund dafür war eine Ethikuntersuchung wegen seines Buches »Traktat über das Leben«, in dem Feministinnen als »hysterische Fanatikerinnen« und Schwule und Lesben als »Perverse« bezeichnet werden, schreibt Bloomberg unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Tschudakow ist seit 2015 stellvertretender Generaldirektor der IAEO und leitet die für die Entwicklung der Kernenergie zuständige Abteilung. Das Buch wurde 2025 veröffentlicht, geriet jedoch erst in den Fokus der Organisation, nachdem Tschudakow es bei einem Treffen der jungen UN-Generation im Nuklearbereich in Wien vorgestellt hatte. Später übergab die Jugendgruppe das Buch dem Leiter der Ethikabteilung der IAEO.
In dem 76-seitigen Buch ruft Tschudakow unter anderem dazu auf, feministische Bewegungen nicht zu unterstützen, und behauptet, Frauen hätten bereits mehr Rechte als Männer. Führende Frauenrechtlerinnen bezeichnet er als »hysterische Fanatikerinnen«. Schwule und Lesben nennt Tschudakow »Perverse und Sodomiten«, gleichgeschlechtliche Beziehungen »sündhafte Abweichungen« und ihren Einfluss auf Jugendliche »Gift«.
Das Buch wurde unter dem Pseudonym Valentin Wojutin veröffentlicht und ist Tschudakows Kindern gewidmet. Darin verweist er auch auf seine Tätigkeit bei der IAEO und spricht sich für eine »strenge autoritäre Führung« sowie für eine als Demokratie getarnte »Diktatur« aus. In anderen Passagen ruft der Autor dazu auf, »seinem Land Russland, seiner Regierung« treu zu bleiben, und befürwortet die Verfolgung von Dissidenten.
Wie Bloomberg berichtet, verbieten die Regeln der IAEO ihren Mitarbeitern Diskriminierung und Handlungen, die ein sicheres Arbeitsumfeld gefährden könnten. Mitarbeiter der Organisation, die Bücher schreiben möchten, müssen zudem die Genehmigung der Zentrale einholen und heikle Themen meiden. Die Ethikrichtlinien verlangen von internationalen Bediensteten »Zurückhaltung und Taktgefühl«; Verstöße können Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen.
Die ehemalige US-Botschafterin bei der IAEO, Laura Holgate, bezeichnete es als »äußerst unangemessen«, dass ein internationaler Beamter ein solches Buch veröffentlicht und verbreitet. Ihrer Ansicht nach wird der Inhalt des Buches den Anforderungen an Neutralität und Professionalität, die an Mitarbeiter internationaler Organisationen gestellt werden, nicht gerecht.
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