Der ukrainische Präsident warnt davor, dass Russland nach den Wahlen zur Staatsduma in diesem Herbst eine neue Mobilmachung ankündigen könnte. Selenskyj geht davon aus, dass Moskau bis zu 500.000 neue Soldaten mobilisieren könnte. Auch der lettische Geheimdienst prognostiziert, dass die Wahrscheinlichkeit einer Mobilmachung dann steigen wird. Quellen der unabhängigen russischen Medien „Meduza“, „Wichtige Geschichten“ und „Verstka“ berichten zudem, dass russische Beamte beginnen, über eine neue Mobilmachung zu beraten, da die Zahl der Menschen sinkt, die bereit sind, in den russischen Streitkräften zu dienen.
Auch ohne diese Meldungen stehen Wehrpflichtige und Reservisten in Moskau jeden Herbst vor besonderen Herausforderungen. In der Hauptstadt der Russischen Föderation gibt es die Zentrale Einberufungsstelle (EPP) — eine im Vergleich zu gewöhnlichen Kreiswehrersatzämtern deutlich härter vorgehende Einrichtung. Zum Überwachungssystem gehören der Einsatz von Kameras in der Metro und Listen mit „Wehrdienstverweigerern“.
Inhaltsverzeichnis
1. Ist mit einer neuen Welle von Razzien zu rechnen, und was ist bei einer Festnahme zu tun?
Obwohl es im Frühjahr 2026 weniger Berichte über Razzien gab, hat sich deren Vorgehensweise geändert: Die Polizei sucht nun nicht mehr nach beliebigen Personen, sondern gezielt nach Personen von der Moskauer „Liste der Wehrdienstverweigerer“. Auf diese Liste kommen Personen, die einer Vorladung nicht gefolgt sind oder für die bereits ein Einberufungsbeschluss vorliegt.
So bereiten Sie sich auf eine mögliche Festnahme vor:
- Vermeiden Sie Risiken: Verlassen Sie Moskau nach Möglichkeit für die Dauer der Einberufungen oder nutzen Sie zumindest nicht die Metro.
- Stellen Sie eine „Sicherheitsmappe“ zusammen: Tragen Sie Kopien aller Anträge, Beschwerden und Unterlagen bei sich, die belegen, dass Sie den Einberufungsbeschluss angefochten haben.
- Stellen Sie eine Vollmacht aus: Räumen Sie darin einer nahestehenden Person das Recht ein, Ihre Interessen speziell bei der Einheitlichen Einberufungsstelle zu vertreten.
- Verwenden Sie ein Tastentelefon: Smartphones werden bei der Einheitlichen Einberufungsstelle häufig beschlagnahmt, während man Tastentelefone möglicherweise behalten darf.
Wenn Sie festgenommen wurden und die Einberufungsentscheidung nicht ausgesetzt wurde, besteht die Gefahr, dass Sie unverzüglich zur Sammelstelle gebracht werden.
2. Wie sollte man sich verhalten, wenn man zu einer medizinischen Untersuchung (MO) gezwungen wird?
Im Frühjahr 2026 wurde die erzwungene medizinische Untersuchung von Hochschulabsolventen und Personen, die einen Antrag auf alternativen Zivildienst gestellt hatten, zu einem der größten Probleme. Obwohl das Gesetz medizinische Untersuchungen in solchen Fällen verbietet, wird diese Praxis fortgesetzt. Juristen raten, entweder die Stadt vorübergehend zu verlassen oder die medizinische Untersuchung zu verweigern vor Ort. Für die Weigerung kann ein Bußgeld verhängt werden, doch dieses kann und sollte mithilfe von Menschenrechtsorganisationen angefochten werden.
3. Schwierigkeiten mit der Zurückstellung wegen eines Studiums
Selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird Moskauer Wehrpflichtigen immer wieder ein Aufschub verweigert. Zu den wichtigsten Risikogruppen gehören:
- Personen, die ihr Promotionsstudium nicht unmittelbar nach dem Masterstudium aufgenommen haben.
- Personen, die ihr Hochschulstudium nicht im Jahr ihres Schulabschlusses aufgenommen haben.
- Studierende an berufsbildenden Schulen und Fachhochschulen.
Wenn Sie eine Ausbildungslücke, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Plan B vorzubereiten: in eine andere Region umzuziehen, einen Antrag auf Zivildienst zu stellen oder medizinische Unterlagen für eine Befreiung aus gesundheitlichen Gründen zusammenzutragen.
4. Alternativer Zivildienst (AGS) in Moskau
In Moskau ist es aufgrund willkürlicher Ablehnungen und wiederholter Kommissionsprüfungen im EPP schwieriger geworden, den AGS durchzusetzen. Dennoch ist es möglich: 2026 absolvieren mindestens 73 Personen diesen Dienst.
Wichtig: wenn Ihnen der Zivildienst verweigert wurde, müssen Sie unverzüglich gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen. Solange das Verfahren läuft, darf man Sie nicht einberufen. Wird Ihre Klage abgewiesen, können Sie sofort einen neuen Antrag auf Zivildienst stellen.
5. Lohnt sich ein Umzug in eine andere Region?
Ein Umzug ist kein Allheilmittel. Bevor Sie zu einem anderen Kreiswehrersatzamt wechseln, sollten Sie sich über die Praxis in der jeweiligen Region informieren – etwa darüber, wie häufig dort Anträge auf Zivildienst genehmigt werden und wie die Gerichte entscheiden. Risiken eines Umzugs:
- Die Anmeldung und Übermittlung der Personalakte nimmt Zeit in Anspruch.
- Wenn der Einberufungsbescheid bereits erlassen wurde, gilt er formal im ganzen Land.
6. Neue Mobilmachungswelle: Was müssen Reservisten erwarten?
Obwohl viele Experten bezweifeln, dass die Behörden eine neue Welle planen, kann eine Vorbereitung nicht schaden. Gegen Reservisten in Moskau können dieselben Methoden angewandt werden wie gegen Wehrpflichtige: Fahndung mithilfe von Überwachungskameras in der Metro und Festnahmen unter Beteiligung der Polizei.
Empfehlungen für Reservisten:
- Treffen Sie keine Entscheidungen unter Druck und unterschreiben Sie beim Wehrersatzamt keinen Vertrag, wenn Sie „zur Überprüfung Ihrer Daten“ vorgeladen wurden.
- Bereiten Sie die Unterlagen zum Schutz Ihrer Rechte im Voraus vor.
- Sollte eine Mobilmachung beginnen, kann ein Umzug in einen kleineren Ort wirksamer sein, da in Moskau die Gefahr größer ist, bei einer Razzia aufgegriffen zu werden.
Damit Sie auch ohne Internet jederzeit auf die Anleitungen zugreifen können, empfiehlt es sich, die mobile App von Menschenrechtsorganisationen herunterzuladen.
Wenn Sie nicht kämpfen wollen, Fragen zur Beantragung des alternativen Zivildienstes (AGS) haben, Hilfe gegen Willkür in der Armee oder juristische Beratung zur Anfechtung verschiedener Verstöße während der Einberufung benötigen — wenden Sie sich an uns bei „Aufruf an das Gewissen“ beraten die Experten des Projekts kostenlos.
Empfehlung von Doberman Media
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