Ausgabe vom 8. Oktober 2026 Die Washington Post Veröffentlicht von ein aufsehenerregender Beitrag über die neuesten Daten der US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC). Der Studie zufolge ist der Anteil US-amerikanischer Jugendlicher, die sich als schwul, lesbisch oder bisexuell bezeichnen, in den vergangenen Jahren stark gesunken – insbesondere unter jüngeren Schülerinnen und Schülern.
Konservative Medien und rechte Blogger verkündeten umgehend das „Ende des LGBT-Trends“, während progressive Fachleute auf zunehmende Homophobie, die Angst vor einem Coming-out und eine mögliche politische Instrumentalisierung der aktualisierten Statistik hinweisen.
Das LGBT-Magazin Doberman Media hat untersucht, was tatsächlich mit den Daten geschehen ist, warum der Rückgang vor allem 14-jährige Mädchen betrifft und ob diesen Zahlen Glauben geschenkt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Was ist passiert?
Die US-Regierungsbehörde CDC veröffentlichte die Umfrage Youth Risk Behavior Surveillance System (YRBSS) für das Jahr 2025 und den dazugehörigen Bericht Bericht „Jugendgesundheit im Fokus“. Die Psychologin Jean Twenge von der San Diego State University analysierte diese Daten auf ihrer Plattform Generation Tech.
Es stellte sich heraus, dass nach einem jahrelangen rasanten Anstieg des Anteils der Jugendlichen, die sich als LGB identifizieren, nun ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. Der sprunghafte Anstieg erfolgte zwischen 2015 und 2021: In diesem Zeitraum stieg der Anteil der Mädchen im Teenageralter, die angaben, nicht heterosexuell zu sein, um 128 %, bei den Jungen verdoppelte er sich nahezu. Aktuelle Daten aus den Jahren 2023–2025 zeigen jedoch eine Trendwende, die auf Anregung der Forscherin Jean Twenge und rechter Publizisten bereits als „freier Fall“ bezeichnet wird.
Was genau zeigen die Zahlen?
Der Rückgang fiel äußerst ungleichmäßig aus – er konzentriert sich fast vollständig auf die jüngsten Jugendlichen und auf Mädchen:
- Neuntklässler (14–15 Jahre): Der Anteil der Schüler der 9. Klasse, die sich als schwul, lesbisch oder bisexuell identifizieren, sank von 17 % im Jahr 2023 auf 11 % im Jahr 2025.
- Mädchen im Teenageralter: Unter den Neuntklässlerinnen fiel der Rückgang am stärksten aus: Bezeichneten sich 2021 noch 30 % von ihnen als lesbisch oder bisexuell, sank dieser Anteil bis 2025 auf 17 %.
- Bisexualität: Ausschlaggebend für diese Veränderung war, dass sich der Anteil bisexueller Mädchen in der 9. Klasse halbierte – von 26 % im Jahr 2021 auf 13 % im Jahr 2025.
- Jungen: Bei den Jungen waren die Veränderungen minimal: Der Anteil der bisexuellen und schwulen Neuntklässler sank von 9 % im Jahr 2021 auf 7 % im Jahr 2025.
- Schüler der Oberstufe und junge Erwachsene: Bei Schülern der 12. Klasse (17–18 Jahre) ging der Anteil nur geringfügig zurück – von 18 % im Jahr 2023 auf 16 % im Jahr 2025. Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren bleiben die Zahlen stabil.
Parallel zum Rückgang bei der sexuellen Identifikation wurde auch ein Rückgang gleichgeschlechtlicher sexueller Aktivitäten verzeichnet: Unter den sexuell aktiven Mädchen im Teenageralter erreichte der Anteil derjenigen mit gleichgeschlechtlichen sexuellen Erfahrungen in den Jahren 2021–2023 seinen Höchststand (rund 30 %) und sank anschließend bis 2025 auf 21 %.
Darüber hinaus stellte ein Bericht des Zentrums für heterodoxe Sozialforschung (Center for Heterodox Social Studies) an der University of Buckingham bei Campusbefragungen einen Rückgang der Zahl der Studierenden fest, die sich als transgender oder nichtbinär identifizieren:
- An der privaten Phillips Academy sank der Anteil nichtbinärer Schüler von mehr als 9 % im Jahr 2023 auf 3 % im Jahr 2025.
- Bei den Fragen des FIRE-Campus sank der Anteil der transgender und nichtbinären Studierenden von 6,8 % auf 3,6 %.
- An der Brown University sank der Wert von etwa 5 % (2022–2023) auf 2,6 % im Jahr 2025.
Warum passiert das?
Die Forschenden selbst räumen ein, dass die genauen Gründe für diese Trendwende bislang unklar sind. Jean Twenge weist darauf hin, dass wir möglicherweise die Grenze zwischen der Gen Z und der Generation Alpha beobachten (Neuntklässler des Jahrgangs 2025 wurden 2009–2010 geboren).
In Fachkreisen werden mehrere Hypothesen diskutiert:
- Das Ende des gesellschaftlichen Trends und des „Pandemieeffekts“: Rechte Kommentatoren (zum Beispiel Eric Kaufmann) behaupten, dass eine nichtheterosexuelle Identität unter Jugendlichen ein soziokultureller „Trend“ oder eine Folge der Isolation während der COVID-19-Pandemie gewesen sei und die Werte nun wieder auf ihr Ausgangsniveau zurückkehren.
- Angst und die Zunahme von Anti-LGBT-Rhetorik: Menschenrechtsaktivisten und Nutzer sozialer Netzwerke bringen den Rückgang mit zunehmendem politischem Druck und einem geringeren Sicherheitsgefühl in Verbindung. Jugendliche können ihre Anziehung weiterhin empfinden, verzichten jedoch aus Angst vor Mobbing und familiären Konflikten möglicherweise auf öffentliche Selbstbezeichnungen.
- Vorübergehende statistische Schwankung: Twenge betont, dass der starke Rückgang bei jüngeren Jugendlichen ein vorübergehender „Ausschlag“ sein könnte (Ausreißer), der sich bei späteren Beobachtungen wieder ausgleichen wird.
Kann man dieser Statistik vertrauen?
Die Qualität und der Kontext der Datenerhebung warfen unter Forschenden ernsthafte Fragen auf:
Jody Herman vom Williams Institute weist darauf hin, dass der CDC-Bericht keine Konfidenzintervalle enthält. Daher lässt sich nicht genau feststellen, ob die beobachteten Unterschiede statistisch signifikant sind.
Kritiker bezweifeln angesichts der politischen Entscheidungen der Regierung von Donald Trump die Objektivität der CDC. Im August 2025 trat Dr. Demetre Daskalakis, der ehemalige Leiter der Impfabteilung der CDC, zurück. Er warf der Führung eine „ungeschickte Manipulation von Daten“ sowie Druck vor, Inhalte an die politische Agenda anzupassen.
Auf der Website der CDC selbst erschien ein offizieller Hinweis (aufgrund eines Gerichtsbeschlusses), dem zufolge die US-Regierung die „Gender-Ideologie“ ablehnt. Der Bericht selbst Jugendgesundheit im Fokus erfasst dabei die Geschlechtsidentität nicht mehr.
Was ist also das Fazit?
Behauptungen, amerikanische Jugendliche würden „massenhaft heterosexuell“, bilden nicht das Gesamtbild ab. Die Statistik verzeichnet vor allem bei 14- bis 15-jährigen Mädchen einen Rückgang der LGB-Identifikation, während die Werte bei älteren Jugendlichen und Studierenden stabil bleiben. Ob diese Verschiebung einen neuen Trend der Generation Alpha darstellt oder eine Reaktion auf das veränderte politische Klima ist, werden erst die nächsten Erhebungswellen zeigen.
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