Investitionsbasierte „goldene Pässe“ gehören der Vergangenheit an, und ein europäisches Land nach dem anderen verschärft bereits seine Migrationsbestimmungen. Dennoch bieten Belgien und Luxemburg bislang weiterhin die Möglichkeit, nach fünf Jahren Aufenthalt die Staatsbürgerschaft zu erhalten. Wir erläutern, worin sich diese beiden Wege unterscheiden, wo die Risiken geringer sind und mit welchen Fallstricken zu rechnen ist.
Kurz zusammengefasst
- Ein Pass gegen Geld funktioniert nicht mehr: „Goldene Visa“ und der schnelle Erwerb der Staatsbürgerschaft von Offshore-Staaten werden für europäische Banken und Fonds zunehmend riskant. Der sicherste Weg bleibt die klassische Einbürgerung.
- Dauer: 5 Jahre: Anders als in Spanien oder Italien, wo man zehn Jahre warten muss, kann man in Belgien und Luxemburg bereits nach fünf Jahren Aufenthalt einen Pass beantragen.
- Eine zweite Staatsbürgerschaft ist erlaubt: In beiden Ländern muss man seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft nicht aufgeben.
- Luxemburg — teuer, aber berechenbar: Die hohe finanzielle Hürde, die strenge Auswahl von Fachkräften und die Sprachprüfung werden durch Steuervergünstigungen für Kapital und stabile Regelungen ausgeglichen.
- Belgien — leichter zugänglich, aber mit Risiken: Die Einreise ist einfacher, doch das Land ist mit einer Migrationskrise konfrontiert, schafft Steuervergünstigungen ab und diskutiert eine mögliche Verlängerung der Frist auf 10 Jahre.
1. Warum gehört der Kauf von Pässen bald der Vergangenheit an, und was hat die Einbürgerung damit zu tun?
Früher konnten Investoren die Staatsbürgerschaft europäischer Länder (zum Beispiel Zyperns) erwerben oder „Goldene Visa“ erhalten, die zu einem Pass führten. Heute sind diese Programme nahezu vollständig eingestellt. Der Verkauf von Pässen ist nur noch in einigen Offshore-Staaten (Vanuatu, Botsuana u. a.) möglich, doch europäische Banken und Broker begegnen solchen Dokumenten zunehmend mit großer Vorsicht.
Alternativen wie die Staatsbürgerschaft aufgrund der Abstammung oder besonderer Verdienste sind entweder seltene Einzelfälle oder bergen bei der Verwendung fragwürdiger Dokumente enorme rechtliche Risiken.
Daher bleibt die zuverlässigste Möglichkeit die Einbürgerung — ein legaler Umzug, die Verlagerung des Lebensmittelpunkts und der wirtschaftlichen Interessen, die Zahlung von Steuern und die gesellschaftliche Integration.
2. Belgien und Luxemburg stellen nach wie vor nach 5 Jahren einen Pass aus. Muss man dafür die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben?
Während Länder wie Spanien, Italien und Portugal für die Beantragung der Staatsbürgerschaft einen ununterbrochenen Aufenthalt von 10 Jahren verlangen, behalten Belgien und Luxemburg die Fünfjahresfrist bei.
Der entscheidende Vorteil beider Länder ist dass die bisherige Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben werden muss. Darin unterscheiden sie sich grundlegend von Spanien, Italien oder den Niederlanden, wo man gezwungen ist, sich für nur einen Pass zu entscheiden.
Tatsächlich bemisst sich der „Preis“ eines europäischen Passes bei der Einbürgerung nicht anhand einer direkten Kaufsumme, sondern anhand der Steuern, die ein Einwohner während seines fünfjährigen Aufenthalts in den Staatshaushalt einzahlt.
3. Luxemburg: elitäre „Abschottung“, Sprachtest und steuerliche Stabilität
Luxemburg ist ein kleiner Staat mit weniger als einer Million Einwohnern und einer ausgeprägten Spezialisierung auf den Finanz- und IT-Sektor.
- Zugangshürde: Das Land hat von Anfang an hohe Anforderungen an Einkommen und Qualifikation gestellt. Am einfachsten ist ein Umzug hierher für hochbezahlte Fachkräfte im Bereich Blue Card oder für Beschäftigte im Finanzsektor, deren Gehälter deutlich über dem EU-Durchschnitt liegen.
- Sprachbarriere: Für die Einbürgerung muss eine Prüfung in Luxemburgisch abgelegt werden. Gleichzeitig ist die Gesellschaft vor Ort mehrsprachig – im Alltag und bei der Arbeit werden Französisch, Deutsch und Englisch verwendet.
- Steuern und Lebenshaltungskosten: Das Leben in Luxemburg ist teuer, was als natürlicher Filter für Migrationsströme wirkt. Gleichzeitig bleibt ein wichtiger Steuervorteil bestehen: die Befreiung von der Kapitalgewinnsteuer (Kapitalgewinnsteuer), wenn sich der Vermögenswert seit mehr als 6 Monaten im Besitz befindet.
- Risiko einer Änderung der Vorschriften: Da das Land den Zuzug von Migranten von vornherein streng begrenzt und sein Sozialsystem keiner massiven Belastung ausgesetzt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die 5-jährige Frist in Luxemburg auf 10 Jahre verlängert wird, minimal.
4. Belgien: leichter Einstieg, hohe Soziallasten und drohende Reformen
Belgien hat Migranten traditionell durch niedrigere Lebenshaltungskosten und einfache Integrationsbedingungen angezogen.
- Eintrittshürden und Sprache: Belgien verzeichnet einen deutlich stärkeren Zustrom, da strenge finanzielle Hürden fehlen. Lange Zeit konnte man die belgische Staatsbürgerschaft sogar ohne Sprachprüfung erhalten, doch inzwischen werden die Anforderungen verschärft.
- Steuern: Aufgrund des Haushaltsdefizits und der hohen Belastung des Sozialsystems hat Belgien die Steuervergünstigung für Kapitalgewinne bereits abgeschafft.
- Risiko einer Verschärfung: Vor dem Hintergrund der Migrationskrise diskutieren belgische Politiker immer häufiger über die Verlängerung der erforderlichen Aufenthaltsdauer von 5 auf 10 Jahre für den Erwerb der Staatsbürgerschaft. Die Wahrscheinlichkeit einer Verschärfung der Regeln ist in Belgien deutlich höher als in Luxemburg.
5. Kann man sich in Belgien oder Luxemburg „anmelden“, aber in einem anderen EU-Land leben?
Nein, ein Scheinwohnsitz funktioniert nicht. Rechtlich ist der Antragsteller verpflichtet, tatsächlich im Land der Antragstellung zu leben.
Die Behörden beider Länder überprüfen streng, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet:
- In Belgien sind Hausbesuche durch spezielle Kommissionen üblich (bis hin zur Kontrolle des Kühlschrankinhalts und anderer Anzeichen dafür, dass die betreffende Person tatsächlich dort lebt).
- In Luxemburg befragt die Polizei aufgrund der geringen Größe des Landes die Nachbarn und überprüft die tatsächliche Anwesenheit.
Eine Blaue Karte EU (Blue Card) bietet Flexibilität beim Umzug zwischen EU-Ländern, allerdings ist die Anrechnung von Aufenthaltszeiten in anderen Staaten stark eingeschränkt (Frankreich rechnet beispielsweise bis zu 3 Jahre aus anderen EU-Ländern an, während Belgien und Luxemburg in der Regel verlangen, dass man tatsächlich im jeweiligen Land gelebt hat).
6. Wofür sollte man sich also letztlich entscheiden?
- Luxemburg eignet sich für hoch qualifizierte Fachkräfte und Investoren mit hohem Einkommen, die bereit sind, Luxemburgisch zu lernen, und dafür Wert auf berechenbare Regelungen, Steuervorteile für Kapital und Stabilität legen.
- Belgien ist aufgrund der niedrigeren finanziellen Einstiegshürde zu Beginn attraktiv, allerdings müssen steigende Steuern, strengere Sprachanforderungen und das hohe Risiko berücksichtigt werden, dass die erforderliche Aufenthaltsdauer in naher Zukunft auf 10 Jahre verlängert wird.
Das Zeitfenster, um den Fünfjahresweg in diesen Ländern festzuschreiben, wird auf etwa 5–7 Jahre, danach könnte der europaweite Trend zur Verschärfung der Migrationsbestimmungen auch sie erfassen.
Wichtiger Hinweis. Dieses Material dient ausschließlich Informations- und Orientierungszwecken und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Einwanderungsberatung dar. Der Autor ist kein Rechtsanwalt und bietet keine professionelle Beratung im Bereich des Migrationsrechts an. Die Informationen in diesem Artikel geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials wieder; Gesetze, Verwaltungspraxis und Voraussetzungen für den Erwerb der Staatsbürgerschaft können sich jedoch ändern. Trotz des Bemühens um Genauigkeit übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die absolute Vollständigkeit und Aktualität aller bereitgestellten Informationen. Bevor Sie Entscheidungen über einen Umzug, die Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis oder einen Antrag auf Staatsbürgerschaft treffen, empfehlen wir Ihnen, die geltenden Anforderungen anhand offizieller Quellen selbst zu prüfen und sich von einem qualifizierten Einwanderungsanwalt im jeweiligen Land beraten zu lassen. Entscheidungen über einen Umzug, finanzielle Angelegenheiten oder den rechtlichen Status sollten nicht ausschließlich auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen
Kann man nach 5 Jahren die belgische oder luxemburgische Staatsbürgerschaft erhalten?
In beiden Ländern kann man nach 5 Jahren Aufenthalt die Staatsbürgerschaft beantragen, sofern die Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllt sind und man sich tatsächlich im Land aufhält.
Muss man die bisherige Staatsbürgerschaft aufgeben?
Nein, weder Belgien noch Luxemburg verlangen die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft.
Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für die luxemburgische Staatsbürgerschaft?
Man muss tatsächlich im Land leben und eine Luxemburgisch-Sprachprüfung bestehen. Ein Umzug ist vor allem für hoch qualifizierte und gut bezahlte Fachkräfte mit einer Blauen Karte EU sowie für Beschäftigte im Finanzsektor möglich.
Warum gilt der Weg über Belgien als riskanter?
Das Land verschärft bereits die Sprachanforderungen, hat die Vergünstigung bei der Kapitalertragsteuer abgeschafft und erwägt, die für die Einbürgerung erforderliche Aufenthaltsdauer von 5 auf 10 Jahre zu verlängern.
Kann man in einem Land als ansässig gelten, aber in einem anderen EU-Land leben?
Nein. Die Behörden prüfen den Lebensmittelpunkt und die tatsächliche Anwesenheit: In Belgien sind Hausbesuche durch Kontrollkommissionen möglich, während in Luxemburg die Polizei Nachbarn befragen kann.
Ermöglicht die Blue Card, Aufenthaltszeiten in anderen EU-Ländern anrechnen zu lassen?
Die Blue Card erleichtert den Umzug zwischen EU-Ländern, die Anrechnung von Aufenthaltszeiten ist jedoch begrenzt. Belgien und Luxemburg verlangen in der Regel einen Aufenthalt in ihrem jeweiligen Staatsgebiet.
0 Kommentare
Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein — wir senden Ihnen einen Einmalcode. Ohne Passwörter und Konten.
Code gesendet an
Wenn die E-Mail nicht innerhalb weniger Minuten in Ihrem Posteingang erscheint, überprüfen Sie Ihren Spam-, Spam- oder Promotions-Ordner, da manche E-Mail-Dienste versehentlich automatisierte Nachrichten dort platzieren