Er berichtete über Folter und die Gefahr von „Karussellverhaftungen“
Ehemaliger Kandidat für das Abgeordnetenamt im Moskauer Stadtteil Schtschukino Daniil Neonow verließ Russland aufgrund des Drucks durch die Sicherheitskräfte. Darüber berichtete er erzählt in einem Interview mit Maxim Sagowora, Redakteur von „Perwy Otdel“.
Verfolgung. Nach Angaben Neonows nahmen ihn Ende Juli Mitarbeiter des Zentrums „E“ (Hauptverwaltung zur Bekämpfung von Extremismus des russischen Innenministeriums) vor seinem Haus fest und brachten ihn in Handschellen zum Polizeirevier „Mitino“.
Die Sicherheitskräfte nahmen dem jungen Mann sein Telefon ab und forderten ihn auf, es zu entsperren. Als er sich weigerte, begannen sie, den als Aschenbecher verwendeten Deckel eines Einmachglases nach ihm zu werfen. Anschließend verdrehten die Polizisten Neonow die Arme, packten ihn am Hals und würgten ihn. Zudem drohten sie damit, Verfahren gegen Angehörige des Politikers einzuleiten.
Danach hielten sie ihn über Nacht auf der Polizeiwache fest und nahmen ihn am nächsten Tag in Haft für 10 Tage nach dem Paragrafen über das Zeigen „extremistischer Symbole“ wegen eines T-Shirts mit Regenbogenaufdruck.
Kurz vor seiner Entlassung aus dem Spezialgewahrsam wurde gegen Neonow ein neues Protokoll wegen „LGBT-Propaganda“ aufgenommen. Nach Verbüßung seiner Haft wurde er festgenommen und anschließend wieder freigelassen.
Ausreise. Nach Angaben Neonows hatte er nicht vor, Russland zu verlassen, doch ihm drohte die Gefahr, in ein „Festnahmekarussell“ zu geraten. Genau deshalb beschloss er, das Land zu verlassen.
Da der junge Mann einen Einberufungsbescheid des Wehrersatzamtes erhalten hatte, durfte er das Land nicht verlassen. Außerdem seien vor seinem Hauseingang Zivilbeamte postiert gewesen. Mit Unterstützung von Menschenrechtsaktivisten gelang es Neonow, unbemerkt seinen Aufenthaltsort zu wechseln und den Evakuierungspunkt zu erreichen.
Der Politiker erklärte, er hoffe, bei der ersten Gelegenheit nach Russland zurückkehren zu können.
„Meine Einzigartigkeit und mein größter Wert als Aktivist bestanden gerade darin, dass ich mich in Moskau befand. Ein offen lebender queerer Femboy, der eine Unterschriftensammlung organisiert und 2026 in Russland für ein Abgeordnetenmandat kandidiert – das war ein einzigartiges, lebendiges Beispiel des Widerstands“, betonte Neonow.
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