Der Modehistoriker Alexander Wassiljew gab dem israelischen YouTube-Kanal „Tel-Awideniye“ ein Interview. Darin sprach er darüber, warum sich Männer immer häufiger für Perlen und Spitze entscheiden, ob dahinter echte Freiheit zur Selbstentfaltung steht und warum der „totale Unisex“ schneller enden könnte, als wir denken. „Doberman Media“ fasste die wichtigsten Thesen dieses Gesprächs zusammen.
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Warum wird gerade jetzt über Männerröcke diskutiert?
Was bis vor Kurzem noch als Provokation galt – transparente Stoffe, kurze Jacken und Perlen für Männer –, wird Teil der Laufstegrealität. Wassiljew ist jedoch der Ansicht, dass das derzeit stark wachsende Interesse junger Menschen an der Queer-Kultur in vielerlei Hinsicht ein Diktat von Politik und Marketing ist. Seiner Ansicht nach könnte der Trend, die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verwischen, mit der globalen Agenda zur Verringerung der Weltbevölkerung und der Popularität der Childfree-Philosophie zusammenhängen. Der Modehistoriker glaubt, dass dies „eine Sache von zwei Saisons“ sei und weltweite militärische Konflikte den endgültigen Übergang zu Unisex verhindern würden.
Aber Männer haben doch jahrhundertelang Röcke getragen. Wo liegt der Unterschied?
Wassiljew erinnert daran, dass Männerkleider weder in der Geschichte noch in östlichen Kulturen etwas Neues sind.
- Im Osten: Die arabische Galabija oder der indonesische Sarong gelten als ausgesprochen männliche Kleidung und werden nicht der queeren Kultur zugerechnet.
- In Europa: Schottische Kilts und die Röcke der griechischen Gardisten sind eine Tradition, an der niemand Anstoß nimmt.
Das Problem der „Asymmetrie“ (warum eine Frau in Hosen okay ist, ein Mann im Rock aber nicht) liegt in Komfort und Sicherheit. Hosen sind beim Autofahren schlicht bequemer, während ein Rock an einem Mann in der modernen westlichen Gesellschaft noch immer als „Einladung“ zum Flirten oder sogar als Ausdruck eines Fetischs wahrgenommen wird.
Stimmt es, dass Mode ausschließlich von Schwulen geschaffen wird?
Wassiljew behauptet, dass 90 % der Designer weltweit — Schwule, und das prägt die Branche. Ihm zufolge haben Designer ein Eigeninteresse an der Auswahl der Models und an „Anproben an den Mannequins“. Zudem geben Angehörige der queeren Community traditionell mehr Geld für Kleidung aus als heterosexuelle Männer, die jahrelang dasselbe „Ringelshirt oder karierte Hemd“ tragen können. Deshalb locken Marken diese Zielgruppe bewusst mit aufwendigen Verzierungen und Spitze.
Wie steht Wassiljew selbst zum Tragen von Frauenkleidung?
Alexander Wassiljew betont seine Vorliebe für eine traditionelle Herrengarderobe. Er versichert, dass er keine Damenkleidung besitzt und die Damenabteilungen von Bekleidungsgeschäften niemals betritt.
Gerüchte, er trage Damenunterwäsche, kommentiert er pragmatisch: „So etwas wird in dieser Größe schlichtweg nicht hergestellt.“ Das Interesse von Männern an Spitzenhöschen oder Korsetts bezeichnet er als „typischen Fetischismus“, von dem er selbst meilenweit entfernt sei.
Was wird als Nächstes passieren?
Wassiljew ist überzeugt, dass wir in einer Zeit des »Zerfalls familiärer Werte« und des Abschieds von den alten europäischen Wertvorstellungen leben. Da die Mode »wankelmütig« ist, setzt sie stets auf Selbstzerstörung: Um Neues zu verkaufen, muss das Alte für unmodern erklärt werden. Heute ist das Geschlecht zum wichtigsten Auslöser geworden.
Dennoch bleibt die Massenmode, etwa bei Ketten wie Zara, recht konservativ und hat es nicht eilig, die Herrenabteilungen mit »Extravagantem« zu füllen. Stattdessen bevorzugt sie den sicheren Oversize-Look, mit dem sich Problemzonen kaschieren lassen.
Das Interview wurde in Wassiljews Anwesen in Frankreich eigens für ein Projekt von Alexander Archangelski und den Kanal »Schekin 40« aufgezeichnet.
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