In letzter Zeit sind in einigen LGBTQ+-Räumen — von Bars bis hin zu Kulturzentren — Schilder mit der Aufschrift erschienen „Hetero friendly“. Es klingt ironisch: Schließlich sind die meisten öffentlichen Orte der Welt ohnehin auf heterosexuelle Menschen ausgerichtet. Hinter dieser Formulierung steckt jedoch der Versuch, die gewohnte Logik „sicherer Räume“ umzudrehen und auf die Probleme der Queer-Community aufmerksam zu machen.
Woher kommt das?
Dieser Ausdruck entstand als ironische Antwort auf den beliebten Marker „LGBTQ+ friendly“, den Einrichtungen verwenden, um sich als sicher und offen für alle zu kennzeichnen.
Zum Beispiel führte das Amsterdamer Volkshotel im Vorfeld des Pride 2022 offiziell das Label «hetero friendly» ein. Die Organisatoren erklärten, dass es in einer idealen Welt solche Kennzeichnungen überhaupt nicht geben sollte, da man allen unabhängig von der Orientierung mit Respekt begegnen sollte.
Die Verwendung eines „umgekehrten“ Labels — das ist eine Möglichkeit zu zeigen Absurdität der Situation, in der eine bestimmte Gruppe von Menschen überhaupt spezielle Aufkleber an den Türen braucht, um sich sicher zu fühlen.
Wozu braucht man das, wenn die Welt doch ohnehin heterosexuellen Menschen gegenüber «freundlich» ist?
Für LGBT+-Menschen sind spezialisierte Bars und Clubs nicht einfach Orte zum Feiern, sondern «sichere Räume» (safe spaces), in denen sie ihre Identität nicht verbergen müssen. Das ist besonders wichtig in Ländern, in denen Homosexualität bis heute stigmatisiert wird.
Die Aufschrift «freundlich gegenüber Heterosexuellen» sendet mehrere wichtige Signale:
- Ein Hinweis auf den Gaststatus. Heterosexuelle Besucher sind willkommen, aber man macht ihnen klar: Sie befinden sich hier auf dem Territorium der Queer-Community und sollten ihre Regeln und Kultur respektieren.
- Gegen respektloses Verhalten vorgehen. Manchmal verhalten sich heterosexuelle Gäste in Gay-Bars unangemessen, ohne die Besonderheiten des Ortes zu verstehen. Das Schild fordert sie auf, bewusster zu handeln.
- Rollentausch. Das gibt Heterosexuellen die seltene Möglichkeit, sich in der Rolle der Minderheit zu fühlen. Das ist gewissermaßen ein soziales Experiment: Ein Mensch sieht, dass der Raum ihm gegenüber «freundlich» ist, und versteht, dass LGBT+-Menschen in der gewöhnlichen Gesellschaft ständig nach solchen Bestätigungen ihrer Sicherheit suchen.
Ist das nicht Diskriminierung von Heterosexuellen?
Vertreter der Gemeinschaft betonen, dass solche Schilder — das ist eine soziale Botschaft, kein tatsächlicher Eingriff in Rechte. Es ist kein Versuch, heterosexuelle Menschen zu vertreiben oder auszugrenzen, sondern eine Möglichkeit zu unterstreichen, dass dieser Ort in erster Linie der Gemeinschaft gehört.
Im Grunde ist es ein Aufruf zur Solidarität: Wer einen solchen Ort betritt, stimmt der Idee zu, dass «sichere Räume» nichts Selbstverständliches sind, sondern das Ergebnis eines langen Kampfes um das Recht, man selbst zu sein. Wie die Initiatoren solcher Aktionen betonen, ist das Ziel, den Moment zu erreichen, in dem keine Labels der «Freundlichkeit» (für wen auch immer) mehr nötig sind.


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