Bis zum 24. August in Berlin im Das Schwule Museum (Schwules Museum) findet die Ausstellung mit dem Titel «Besser glücklich als normal! Das Leben von Queers im Kontext des christlichen Fundamentalismus». Die Ausstellung basiert auf den persönlichen Geschichten von Menschen, die unter Druck von Religionsgemeinschaften standen und versuchten, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität im Einklang mit kirchlichen Dogmen zu ändern.
Können Queerness und christliche Religion auf derselben Ebene koexistieren? Deutsche Welle erörterte dies mit einer nichtbinären Person, einem Priester und Kurator des Schwulen Museums in Berlin.
Wer sollte sich ändern: der Mensch oder die Kirche?
Eine der Schlüsselfiguren und Kuratorin der Ausstellung — eine Transfrau Sophie Rauser, die evangelische Theologie in Gießen studierte. Ihren Worten zufolge sind viele gläubige queere Menschen gezwungen, ihre Beziehung zu Gott zu überdenken, um den Glauben zu bewahren, da Gott in vielen Konfessionen bis heute als zutiefst monotheistische und patriarchale Figur wahrgenommen wird. Für viele wird die Verbindung von Identität und Religion zu einem Weg, sich von alten Traumata zu heilen, denn „in der Welt gibt es so viel, was man allein schwer ertragen kann“.
Doch der Weg zu einer solchen Verbindung führt oft über Konversionstherapie — ein Bündel pseudowissenschaftlicher und gefährlicher Methoden, die darauf abzielen, die Identität „zu korrigieren“. Das Museum für Homosexualität hat Interviews mit sieben Menschen gesammelt, die diese Erfahrung durchlaufen haben. Äußerlich mag das wie ein einfaches Gespräch mit einem Priester bei Kaffee wirken, doch in Wirklichkeit wird queeren Menschen die Sündhaftigkeit ihrer Lebensweise eingeredet, wobei Hypnose, Medikamente und manchmal sogar Folter und Demütigung eingesetzt werden.
Die Geschichte von Lothar: 40 Jahre in der Gemeinde und der Verlust der Familie
Eines der tragischsten Beispiele, das auf der Ausstellung gezeigt wird, ist die Geschichte des 72-jährigen Lothar. Er verbrachte mehr als 40 Jahre in einer religiösen Gemeinschaft. Schon in seiner Jugend erkannte er seine Homosexualität und stieß in der Jugendgruppe der Gemeinde auf Verachtung: Seine Gefühle wurden als „abstoßend“ bezeichnet. Lothar versuchte, sich „zu ändern“: Er machte einen Kurs Konversionstherapie, lebte enthaltsam und heiratete sogar.
Als die Wahrheit ans Licht kam, verließ seine Frau ihn und nahm die Töchter mit, und die Gemeinde brach den Kontakt zu ihm vollständig ab. 15 Jahre später konnte er die Beziehung zu seinen Kindern immer noch nicht wiederherstellen. Nach einer Psychotherapie kam Lothar zu dem Schluss, dass man die Bibel nicht wörtlich nehmen darf, und nun möchte er allen Fundamentalisten sagen: «Ihr könnt die sexuelle Orientierung eines Menschen nicht ändern.»
Gesetz und «geistliche Gespräche»
Seit 2020 gilt in Deutschland ein offizielles Verbot der Konversionstherapie. Für ihre Durchführung drohen bis zu einem Jahr Haft, für Werbung oder Vermittlung eine Geldstrafe von bis zu 30 000 Euro. Dennoch wird die Praxis unter anderen Bezeichnungen fortgesetzt.
42-jähriger Österreicher Damjan, eine nicht-binäre Person, wuchs in der Familie eines katholischen Diakons auf. Seine Eltern galten als liberale „christliche Hippie-Aktivisten“, waren in Fragen der Identität jedoch unbeirrbar. Damian erinnert sich, dass ihm die Religion einen „klaren moralischen Kompass“ gab, außerhalb dessen es scheinbar nichts gab – so sehr, dass er sogar eine Zeit lang ins Kloster ging. Heute bezeichnet Damian sich als Atheisten, gesteht aber, dass er bis heute Angst vor der Hölle hat: „Um aufzuhören, sich zu schämen und sich selbst zu hassen, war viel Anstrengung nötig.“
„Liebe ist Liebe“: die Position der liberalen Kirche
Am anderen Pol stehen Priester wie Joachim Reiche aus der anglikanischen St.-Georgs-Kirche. Er betont, dass in seiner Gemeinde queere Menschen vor allem Gemeindemitglieder sind. Reich nennt als Beispiel eine Transfrau, die der Gemeinde offen von ihrer Transition und Namensänderung erzählt hat und ohne Verurteilung aufgenommen wurde.
Nach Reiche hat sich die Haltung gegenüber LGBTIQ+ in der Kirche in den letzten 20 Jahren unter dem Einfluss des Feminismus und des Kampfes für Bürgerrechte stark verändert. Das Hauptproblem liegt in dem essentialistischen Denken konservativer Kirchen, die die Binärität (von Gott nur Mann und Frau geschaffen) als unerschütterliche Grundlage der Weltordnung betrachten und das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht über die Gefühle des Menschen stellen.
Amerikanischer Einfluss und Radikalisierung
Важным фактором остается влияние американских проповедников. Кураторы выставки отмечают, что священнослужители из США специально приезжают в Германию для работы в конверсионных лагерях. Речь идет в основном о «свободных евангелических церквях» (они составляют около 1% жителей ФРГ и не связаны с официальной Евангелической церковью Германии).
Manchmal nimmt dieser Einfluss extreme Formen an. Im Jahr 2023 bedrohte Pastor Moses Golla, der der amerikanischen Sekte Faithful Word Baptist Church angehört, den deutschen Geistlichen Lotar Hassmann mit Gewalt. Golla veröffentlichte den Track „God Hates LG“, in dem eine generierte Stimme dazu aufrief, Hassmann zu „töten“. Nachdem die Ermittlungen begonnen hatten, tauchte der Pastor in den USA unter.
Megakirchen und Schlupflöcher im Recht
Im Zentrum der Debatte steht auch die Organisation Internationale Christliche Gemeinschaft (ICF), deren Münchner Zweig amerikanische Megakirchen mit Show statt traditioneller Gottesdienste erinnert. Journalist Kevin Ebert stellte im Rahmen eines Experiments fest, dass man in solchen Gemeinden bis heute Gebete zur „Heilung“ von Homosexuellen praktiziert.
Auf Anfragen zum Gesetz von 2020 hin erklären Vertreter der ICF, dass sie es begrüßen, betonen jedoch: Das Gesetz dürfe „Gespräche spiritueller Art“ nicht einschränken. Die Organisation ist der Ansicht, dass eine „freiwillige Änderung der sexuellen Orientierung“ möglich sein muss, und pocht auf die „befreiende Kraft Jesu Christi“. Zugleich sind im Gesetzestext selbst keine Ausnahmen für „spirituelle Gespräche“ vorgesehen — verboten sind alle Methoden, die auf die Veränderung der Identität abzielen.


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