Die Mode erlebt einen weiteren Wendepunkt. Nach Jahren der uneingeschränkten Vorherrschaft von Oversize, als Kleidung drei Nummern zu groß schien, wendet sich die Branche rasant hin zu figurbetonten Silhouetten. Der wichtigste Trendsetter des russischen Fernsehens, Wladislaw Lisowez, erklärte im Programm des Senders „Moskau 24“ unmissverständlich: Die Ära der bequemen Hoodies ist vorbei.
Das Ende der Freiheit oder die Rückkehr zum Körper?
Verkäufe von schmalen Herrenjeans sind in Russland gestiegen um 50 %. Analysten sagen, dass eng anliegende Kleidung wieder zum Trend wird: in diesem Jahr Die Nachfrage nach Herrenmodellen ist um das 2,5-Fache gestiegen, bei Damenmodellen um das 1,5-Fache.
Laut Lisowez tritt an die Stelle formloser Kleidung die Ästhetik der Nullerjahre. Die Gesellschaft wird sich wieder an enge Hosen und Röcke auf Hüfthöhe, figurbetonte T-Shirts mit V-Ausschnitt und an verspielte Prints gewöhnen müssen. Dabei räumt der Experte ein: Die Nullerjahre sind vielen als eine Ära fragwürdigen Geschmacks und offener Anti-Ästhetik in Erinnerung geblieben.
„Mode in den 2000ern war tatsächlich vulgär und sehr unästhetisch. Aber es gab die Oversize-Ära – auch sie war nicht besonders ästhetisch, vor allem mochten sie unsere Mütter und Großmütter nicht, die sagten: ‚Was ist das für etwas Hässliches, Formloses?‘ Aber die 2000er sind wenigstens sexy, weil sie dazu anregen, auf die Figur zu achten“.
Der größte Vorteil der Rückkehr figurbetonter Silhouetten, so der Stylist, liegt in der Disziplin. In solche Sachen passt man nach unkontrolliertem Überessen nicht mehr hinein – die neue alte Mode verlangt körperliche Fitness und Achtsamkeit.
Jogginghosen im Stil klassischer Hosen und der Verzicht auf „Gehirn-Kaugummi“
Wenn man Lisowez glaubt, basiert die moderne Garderobe auf einem kühnen Mix. Im Trend ist die Kombination des Unvereinbaren: Sporthosen, nach dem Schnitt klassischer Hosen gearbeitet, Streifen, Karos und Leopardenprint in einem Outfit. Hauptsache, ein strenger Blazer bringt dieses ganze Chaos zusammen und verleiht dem Look Kompetenz.
Dabei zeigt der Stylist selbst einen radikalen Ansatz nicht nur zur Garderobe, sondern auch zur Popkultur. Auf die Frage nach Kultfilmen über Mode reagierte Lisowez äußerst skeptisch und nannte die Kinohits eine Mogelpackung:
„Der Teufel trägt Prada 2“? Ich habe ihn nicht gesehen und werde es auch nicht tun. Das ist Kaugummi, ein Film, der mit Mode überhaupt nichts zu tun hat. Das ist für das breite Publikum gemacht, damit die Leute ins Kino gehen, ihre Zeit verbringen und sich schöne Taschen ansehen. Mir ist diese Zeit sogar ein bisschen leid.“

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