Musikjournalist Barry Walters, deren Texte seit Jahrzehnten in Rolling Stone, Die Dorfstimme und Der Anwalt, veröffentlichte ein Buch «Mighty Real: Eine Geschichte der LGBTQ-Musik, 1969–2000». Dies ist eine groß angelegte Studie darüber, wie Musik von und für queere Menschen geschaffen wurde, von den Stonewall-Unruhen bis zum Beginn des Internetzeitalters.
Inhaltsverzeichnis
Worum geht es in diesem Buch?
"Mighty Real" ist sowohl ein Nachschlagewerk als auch eine persönliche Memoire des Autors. In 60 Kapiteln analysiert Walters die Arbeit von Hunderten von Künstlern, von Ikonen wie David Bowie, Elton John und Madonna bis hin zu weniger bekannten Pionieren wie Patrick Haggerty von Lavender Country oder Olivia Records.
Der Titel des Buches bezieht sich auf den Hit "You Make Me Feel Mighty Real" des Disco-Sängers Sylvester. Für Walters ist dies nicht nur ein Lied, sondern ein Symbol: Er kaufte diese Platte am Tag seiner Aufnahme ins College, als er sich in New York verirrte und sich zum ersten Mal "an seinem Platz" in der Vielfalt der Metropole fühlte.
Warum hat sich der Autor entschieden, es zu schreiben?
Walters' Hauptinspirationsquelle war das Werk Celluloid Wardrobe (1981) des Filmhistorikers Vito Russo, das Homosexualität im Kino untersuchte. Walters kannte Russo persönlich und wollte ein ähnliches Werk schaffen, das jedoch der Popmusik gewidmet ist.
Laut dem Autor war Musik für die Generationen, die vor dem Aufkommen des Internets aufwuchsen, das wichtigste Werkzeug zur Selbsterkenntnis. "Wir konnten nicht einfach online andere schwule Männer finden. Wir mussten eine Platte aufstellen", erklärt er. Zum Beispiel lernte der 11-jährige Barry durch David Bowies Lieder erstmals das Wort "bisexuell" kennen und begann, seine eigene Identität zu verstehen.
Über welche Künstler sprechen wir?
Das Buch deckt eine breite Palette von Namen und Genres ab:
- Madonna: Walters beschreibt, wie sie die Ästhetik der New Yorker Clubs in Stadien brachte und wie Rockkritiker sie dafür hassten, ohne zu erkennen, dass ihr Image aus einer "klugen und persönlichen Perspektive" stammte.
- Whitney Houston und Luther Vandross: Das sind die traurigsten Kapitel des Buches. Walters, der beide persönlich interviewte, schreibt über den "Preis der Geheimhaltung". Seiner Meinung nach zerstörte die Unfähigkeit, ihre Identität offen zu erklären, ihr Selbstwertgefühl und führte indirekt zu ihrem vorzeitigen Tod. Er erinnert sich, wie Whitney, nachdem sie den Recorder ausgeschaltet hatte, ihm seine Partnerin Robin Crawford als "die Liebe ihres Lebens" vorstellte, obwohl sie es nie öffentlich zugab.
- Die B-52 und die Dorfbewohner: Obwohl ihre Hits wie "YMCA" und "Love Shack" zu Pflichtmerkmalen jeder Hochzeit geworden sind, hat die Branche ihre Beiträge lange ignoriert. Walters merkt an, dass die B-52s immer noch nicht in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, was er für ein Zeichen latenter Homophobie im Musikgeschäft hält.
Warum diese Geschichte heute lesen?
Walters betont, dass queere Kunst universell ist. Er wollte ein Buch schreiben, das "so schwul ist, dass es für alle zugänglich ist", und zieht Parallelen dazu, wie Kendrick Lamars Hip-Hop, tief verwurzelt in der schwarzen Kultur, für alle verständlich und interessant ist.
Der Autor widmete dieses Werk seinen Kindern und zukünftigen Generationen, damit sie wissen, was ihre Vorgänger durchmachen mussten und warum diese Musik der Gemeinschaft in der Zeit vor Smartphones und AIDS-Medikamenten so viel bedeutete. Das Buch endet im Jahr 2000, aber Walters schließt eine Fortsetzung nicht aus, die die Auswirkungen des Internets und der Politik auf zeitgenössische Musik untersucht.

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