Kontext. Der Vorsitzende der regierenden CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Jens Spahn, und sein Ehemann Daniel Funke gaben bekannt, dass sie einen Sohn namens Georg haben. Das Paar griff auf Leihmutterschaftsdienste zurück. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, daher wurde das Kind von einer Frau in den Vereinigten Staaten getragen und geboren. Beide Väter versprechen, dass sie am Leben des Jungen teilnehmen wird: "Jetzt ist sie praktisch Teil der Familie und wird Georg auf seinem Lebensweg begleiten.".
Die Nachricht, dass der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Jens Spahn, und sein Ehemann dank einer Leihmutter Eltern wurden, verdient an sich kaum eine Diskussion. Menschen wollen Kinder, suchen nach legalen Wegen, Eltern zu werden, und das ist nicht ungewöhnlich.
Das Geräusch kam aus einem anderen Grund.
Jens Spahn ist einer der einflussreichsten Politiker der CDU. Eine Partei, die seit vielen Jahren konsequent gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ist. Darüber hinaus hat die CDU wiederholt erklärt, dass das derzeitige Verbot beibehalten werden muss und die kommerzielle Leihmutterschaft mit der Menschenwürde unvereinbar ist.
Gleichzeitig nutzte Spahn selbst diese Gelegenheit – außerhalb Deutschlands, wo eine solche Praxis erlaubt ist.
Formal gibt es hier keinen Gesetzesverstoß. Das deutsche Gesetz verbietet die Organisation von Leihmutterschaften im Land, verbietet jedoch nicht die Nutzung solcher Dienstleistungen im Ausland.
Politik endet jedoch selten mit dem Buchstabe des Gesetzes.
Hier stellt sich eine Frage, die nun nicht nur von Spahns politischen Gegnern, sondern auch von vielen deutschen Journalisten gestellt wird: Wenn ein Politiker überzeugt ist, dass Leihmutterschaft eine so unethische Praxis ist, dass sie landesweit verboten werden sollte, warum hält er es dann für erlaubt, diese Praxis persönlich anzuwenden?
Warum ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten?
Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, in dem Leihmutterschaft weiterhin völlig verboten ist. Das Verbot gilt seit 1991 und ist gleichzeitig in mehreren Gesetzen verankert.
Die Argumente der Befürworter des Verbots haben sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert.
Erstens basiert das deutsche Recht auf dem Prinzip, dass eine Frau nicht zum "Mittel" für die Geburt eines Kindes werden darf. Der Staat fürchtet die Kommerzialisierung der Schwangerschaft, wenn das Tragen von Kindern zu einem Dienst wird und der Körper der Frau zum Objekt des Vertrags wird.
Zweitens wird den Rechten des Kindes selbst große Aufmerksamkeit geschenkt. Im deutschen Rechtssystem gilt die Mutter automatisch als die Frau, die das Kind geboren hat. Leihmutterschaft zerstört dieses Prinzip und wirft komplexe rechtliche Fragen auf: Wer ist von Geburt an die Mutter, wer trifft Entscheidungen über das Kind und was zu tun ist, wenn eine Partei ihre Meinung ändert.
Es gibt auch einen historischen Kontext. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Gesetzgebung im Bereich Medizin und Bioethik zu einer der vorsichtigsten in Europa. Jede Technologie, die als Nutzung eines Menschen als Mittel zum Zweck wahrgenommen werden kann, war traditionell Gegenstand besonders heftiger Debatten.
Deshalb gilt das Verbot nicht nur für kommerzielle, sondern auch für die sogenannte "altruistische" Leihmutterschaft, wenn eine Frau keinen Gewinn erzielt und sich bereit erklärt, Verwandten oder Freunden zu helfen.
Gleichzeitig bedeutet das Verbot nicht, dass deutsche Staatsbürger die Leihmutterschaft im Ausland nicht nutzen dürfen. Viele Paare, darunter auch gleichgeschlechtliche Paare, reisen in die USA, Kanada oder andere Länder, in denen diese Praxis erlaubt ist. Nach der Geburt eines Kindes müssen sie ein separates rechtliches Verfahren zur Anerkennung der Elternschaft in Deutschland durchlaufen.
Ein Verbot, das nicht für jeden funktioniert
In der Praxis funktioniert das deutsche Verbot nicht so eindeutig, wie es scheint.
Wenn eine Person kein Geld hat, ist Leihmutterschaft für sie wirklich verboten. Es gibt fast keine anderen Möglichkeiten.
Wenn es Geld gibt, wird das Verbot zu einem logistischen Problem. Es reicht aus, in ein Land zu gehen, in dem Leihmutterschaft erlaubt ist, dort das Verfahren zu durchlaufen und dann die Anerkennung der Elternschaft in Deutschland zu beantragen.
Formal bleibt das deutsche Gesetz ungebrochen.
Tatsächlich entsteht eine Situation, in der sich dasselbe Verbot je nach finanziellen Fähigkeiten einer Person unterschiedlich auswirkt.
Deshalb löste die Geschichte von Jens Spahn eine solche Reaktion aus.
Es ist nicht nur so, dass er die Leihmutterschaft ausgenutzt hat. Viele Politiker würden wahrscheinlich dasselbe tun, wenn sie an seiner Stelle wären.
Die Frage ist eine andere.
Span ist nicht nur eine private Person. Er führt die parlamentarische Fraktion der Partei an, die Leihmutterschaft für so unethisch hält, dass sie deren Legalisierung in Deutschland ablehnt.
Es stellt sich heraus, dass es ein seltsames Design ist. Der Staat sagt zu seinen Bürgern: "Wir werden nicht zulassen, dass Sie das hier tun, weil wir es für falsch halten." Aber wenn Sie wohlhabend genug sind, um es in einem anderen Land zu tun, sind Sie willkommen. Außerdem erkennt der Staat dann die entstandenen Familienbeziehungen an.
Ein solcher Ansatz wirft zwangsläufig die Frage auf: Wenn eine Praxis so unmoralisch ist, dass sie im Inland nicht erlaubt werden kann, warum erkennt der Staat dann ihre Ergebnisse im Ausland an?
Und das ist kein Streit mehr über Leihmutterschaft.
Dies ist ein Streit über die Konsistenz der staatlichen Politik.
Denn ein Verbot, das nur wohlhabende Menschen umgehen können, wirkt zwangsläufig nicht mehr wie ein moralisches Prinzip, sondern wie ein Privileg für diejenigen, die genug Geld haben. Deshalb erwies sich Spahns Geschichte als so unbequem für die CDU: Sie zeigte deutlich den Widerspruch, der im deutschen Recht schon lange vor der Bekanntschaft bestand.
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