Um den Preis des neuen Premium-Abonnements EDGE von Grindr rankten sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Gerüchte. Nutzer veröffentlichten Screenshots mit schockierenden Preisen, und die Medien diskutierten über einen „500-Dollar-Tarif“. Geschäftsführer George Arison versuchte schließlich, die Situation klarzustellen, doch seine Erklärungen verdeutlichten nur, wie teuer die Nutzung der App wird.
Was ist passiert?
Anfang 2026 begann Grindr mit dem Test von EDGE – einer neuen, auf künstlicher Intelligenz basierenden Abonnementstufe (das Unternehmen nennt sie „gAI™“). Schon bald tauchten in den sozialen Netzwerken Berichte auf, wonach das Abonnement bis zu 500 Dollar im Monat kosten könnte.
Bei einer kürzlich abgehaltenen Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen erklärte George Arison, die Angabe von 500 Dollar beruhe auf einem Missverständnis. Seinen Angaben zufolge habe das Unternehmen eine solche Preisschwelle tatsächlich getestet, allerdings in kanadischen Dollar, nicht in US-Dollar. Auf dem US-Markt sei ein Preis von 500 Dollar angeblich nie angeboten worden.

Wenn nicht 500 Dollar, wie viel dann?
Auch wenn der „500-Dollar-Mythos“ formal ausgeräumt ist, bleibt der tatsächliche Preis von EDGE für den Dating-Markt beispiellos:
- Screenshots bestätigen einen Preis von 349,99 Dollar pro Monat für Nutzer in den USA.
- Vertreter von Grindr erklärten, dass die Testpreise bei 80 US-Dollar pro Woche beginnen, was etwa 320 US-Dollar pro Monat entspricht.
- Zum Vergleich: Die teuersten Tarife der Konkurrenz (Tinder, Hinge, Bumble) kosten in der Regel nicht mehr als 100 US-Dollar pro Monat. Ein EDGE-Jahresabo kann Nutzer insgesamt zwischen 3.840 und 4.200 US-Dollar.
Was bekommen Nutzer für dieses Geld?
EDGE wird als „AI Wingman“ (KI-Assistent) positioniert, der die Partnersuche effizienter gestalten und Reibungsverluste dabei beseitigen soll. Zu den wichtigsten Funktionen gehören:
- A-list: eine kurze Zusammenfassung verpasster Unterhaltungen und „wichtiger Chats“.
- Discover: tägliche, vom Algorithmus ausgewählte Profilempfehlungen.
- Profileinblicke: Die KI analysiert Daten und gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass ein bestimmter Nutzer zu Ihnen passt.
Arison möchte das Problem der „unzureichenden Dichte“ in der schwulen Community lösen, indem Nutzern – mit deren Einverständnis – mehr Informationen übereinander bereitgestellt werden, damit sie leichter ein Gespräch beginnen können.

Warum wirft das Fragen auf?
Kritiker und Nutzer weisen auf mehrere Probleme hin:
- Die „Gentrifizierung“ der App: Grindr versucht, sich von einer „Sex-App“ zu einem „globalen Schwulenviertel“ (Gayborhood) zu entwickeln. Experten weisen jedoch darauf hin, dass reale Schwulenviertel in Städten häufig zu den teuersten und exklusivsten Gegenden werden.
- Verschlechterung der kostenlosen Version: Nutzer beklagen die Flut an Werbung und dass grundlegende Funktionen – etwa die Anzeige, wer einen „Tap“ gesendet hat – zu kostenpflichtigen Privilegien werden.
- Abkehr vom gewohnten Raster: EDGE setzt auf Algorithmen statt auf Geolokalisierung. Das könnte dazu führen, dass die Profile gewöhnlicher Nutzer weniger sichtbar werden, wenn sie nicht auf KI-Empfehlungen setzen.
Wie reagiert der Markt darauf?
Trotz Beschwerden über die „Enshittification“ (Qualitätsverschlechterung) des Dienstes geht die Strategie des Unternehmens auf. Der Umsatz von Grindr stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 33 %, und die Jahresprognose liegt bei mindestens 540 Millionen US-Dollar. Überraschenderweise abonnieren Arison zufolge sogar Nutzer EDGE, die zuvor noch nie für die App bezahlt hatten.
Arison selbst räumt ein, dass Grindr eine „sehr bekannte Marke“, aber noch keine „beliebte Marke“ ist. Den Finanzkennzahlen zufolge ist das für die Aktionäre kein Problem, solange die Nutzer weiterhin Hunderte von Dollar dafür bezahlen, dass KI ihnen bei der Partnersuche hilft.
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