Journalist und Medienmanager Renat Davletgildeev in Interview Ilja Varlamov analysierte den aktuellen Zustand des russischen sozialen und kulturellen Lebens. In diesem "Sumpf" existieren die Ästhetik Nordkoreas, Z-Patriotismus, geheime queere Codes und Partys in Courchevel auf bizarre Weise nebeneinander. Wir erzählten die Hauptthesen dieses Gesprächs – über den Einfluss von Ekaterina Mizulina, das Phänomen des Schamanen und die Tragödie von Anton Krasovsky.
Ekaterina Mizulina: "Die Königin der Schuljungen" ohne wirkliche Macht
Trotz des Bildes des "grauen Kardinals", der über das Schicksal der Künstler entscheidet, nennt Davletgildeev die Leiterin der Liga des sicheren Internets, Ekaterina Mizulina, einen "Dummkopf" und "selbsternannte Rote Garde". Sein tatsächliches Gewicht in politischen Kreisen ist minimal, und in der Präsidentenverwaltung ist es eher "unbeliebt" wegen seiner Unkontrollierbarkeit und des Spiels der "öffentlichen Wetterfahne".
Laut Davletgildeev sind ihre Gönner Elena Milskaya (Ehefrau des Leiters des Ministeriums für Notfallsituationen Kurenkov) und der orthodoxe Oligarch Konstantin Malofeev. Mizulina konnte eine "Lieblingslehrerin" für Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren werden, die ihre Beschwerden über Schulleiter schreiben.
Davletgildeev bezeichnet die besprochene "Romanze" mit Shaman als PR-Projekt zweier "verblassender Stars", die versuchen, ihre Karrieren zu unterstützen.
Schamane: Schwule Ikonen und ein Mikrofon in der Hose
Der Sänger Schamane (Yaroslav Dronov) wird von der queeren Community aufgrund seiner spezifischen Ästhetik als "einer von ihnen" wahrgenommen. Sein Lied "My Fight" hat sich zu einer Art Schwulenhymne entwickelt, und die Art, ein Mikrofon in enge Hosen zu stecken, wird als Ausbeutung der Sexualität interpretiert, die laut dem Journalisten eher auf ein männliches Publikum abzielt.
In der Partei kursieren auch Gerüchte, dass der Schamane ein Schützling von Wjatscheslaw Wolodin war, dessen Platz nun aber angeblich von einem jungen Künstler namens Wanja Dmitrijenko eingenommen wurde. Gleichzeitig stellt Davletgildeev fest, dass die queere Ausstrahlung sogar von Mizulina selbst kommt, die die "lesbischen Freundinnen" der Journalistin als "ihre" betrachten.
Ksenia Sobchak: Königin der Überlebenden
Ksenia Sobchak bleibt "Nummer eins" im russischen YouTube-Bereich, einfach weil fast alle anderen Stars gegangen sind. Davletgildeev glaubt, dass ihre Entscheidung, in Russland zu bleiben, nicht nur durch Geld (unfertiges Haus, Geschäft, Angestellte) bestimmt wurde, sondern auch durch ihre Weigerung, ihren Status und ihren gewohnten Lebensstandard zu verlieren.
Sobchak behandelt weiterhin politische Themen, beobachtet "rote Linien" und platziert "Sterne", was Davletgildeev entweder als Mut oder als Versuch bezeichnet, "das Gesicht zu wahren". Ihre Interviews mit queeren Bloggern (Igor Sinyak und Sergey Greivas) sind sowohl Hype als auch aufrichtige Aufmerksamkeit für die Rechte von LGBT-Personen, die von den Behörden zu "Sündenböcken" gemacht wurden.
Ivan Urgant: Die große Enttäuschung
Die Situation mit Ivan Urgant, der sich nach Kriegsbeginn auf ein "schwarzes Quadrat" in sozialen Netzwerken beschränkte und schwieg, sorgt bei Davletgildeev für Skepsis. Der Journalist ist sich sicher, dass Urgant nur auf einen Anruf von Konstantin Ernst "wartet", um wieder auf Kanal Eins zu senden.
Urgants Inhalte auf YouTube (Kanal "What happened?") Davletgildeev nennt es absolut unpolitisch und langweilig. Vor dem Hintergrund von Dmitry Nagiyev, der sich klarere Aussagen erlaubte, wirkt Urgants Schweigen wie ein Versuch, "zurückzuspringen".
Anton Krasovsky: Gehacktes Fleisch, das nicht mehr zurückgedreht werden kann
Die tragische Figur des russischen Medienfeldes ist Anton Krasovsky. Davletgildeev, der sich selbst als Freund bezeichnet, glaubt, dass Krasovsky "zu viel" mit den Behörden gespielt habe.
Als die liberale Gruppe ihn wegen seiner Aggressivität ablehnte, war die Einzige, die ihm "die Hand reichte", Margarita Simonyan. Davletgildeev zitiert Krasovskys eigene Metapher über den "Stamm der Kannibalen": Nachdem er "Menschenfleisch" (Macht, Blut, Einfluss) gekostet hat, kann er nichts anderes mehr essen. Jetzt ist Krasovsky in Isolation, seine Projekte bei RT liegen still, und er selbst spricht immer wieder von seinem Wunsch zu "sterben".
Zwei Realitäten: Knabenchor und Schwarzer Kaviar
Das russische Showgeschäft ist heute ein Versuch, "ein Krokodil mit einem Huhn zu verheiraten." Einerseits gibt es monumentale Propaganda, Knabenchhöre und nordkoreanische Ästhetik. Andererseits gibt es Muz-TV-Auszeichnungen mit Federn, Strasssteinen und Diskussionen über plastische Chirurgie.
Die Behörden erlassen repressive Gesetze (gegen LGBT, kinderfreie, vierfache Personen), führen aber selbst weiterhin einen hedonistischen Lebensstil. Die Elite liebt immer noch Courchevel-, Cannes- und Chanel-Taschen, die über Wiederverkäufer zu überhöhten Preisen gekauft werden. Die "Ära des nackten Partys" ist vorbei: Jetzt ist "alles wieder möglich", wenn man Loyalität zeigt.
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