Von Mack Ende Anthologie «Sex, Clubs, Dissent: Queeres Nachtleben visualisieren» ("Sex, Clubs, Protest: Visualisierung queerer Nachtlebens"). Dies ist eine groß angelegte Studie, die den Zeitraum von den 1960er Jahren bis heute abdeckt und sich das ehrgeizige Ziel setzt, das Nachtleben nicht nur als Unterhaltung, sondern als Raum politischen Widerstands und Identitätsbildung zu zeigen.
Inhaltsverzeichnis
Was für ein Buch ist das?
Der Verfasser der Sammlung war Schriftsteller und regelmäßiger Besucher auf Londoner Tanzflächen Amelia Abraham. Sie sagte, sie wolle, dass sich das Buch "wie die Nacht durch" anfühlt: chaotisch, laut und unzensiert. Die Anthologie enthält Werke von so anerkannten Meistern wie Wolfgang Tillmans, Sunil Gupta und Kia LaBeija.
Das Buch ist in drei semantische Blöcke unterteilt, die verschiedene Facetten der Erfahrung widerspiegeln:
- Sex. Sie enthält spontane und manchmal schockierende Aufnahmen: von Striptease bis hin zu "Gesichtern im Schritt". Eine der eindrucksvollsten Aufnahmen war Phyllis Christophers Werk von 1991, in dem eine Frau sich in einer Gasse in San Francisco entlastet – in einem Gebiet, das damals von reinen männlichen Lederbars dominiert wurde.
- Keulen. Dieser Abschnitt ist der Euphorie der Tanzfläche gewidmet. Es zeigt Aufnahmen von polnischen Schwulenclubs, Hauspartys in Argentinien und Adonis-Partys in London.
- Dissens. Hier trifft das Nachtleben auf Politik. Abraham platzierte absichtlich Aufnahmen von Partys neben Bildern gewalttätiger Demonstrationen, um die Verbindung zwischen "Wut und Befreiung" zu zeigen.

Warum ist das wichtig? Die Geschichte war "verzerrt"
Lange Zeit konzentrierte sich die Chronik der queeren Kultur hauptsächlich auf weiße schwule Männer. Abraham versucht, diese Erzählung zu "ausbalancieren". Deshalb sieht man auf dem Buchcover (durch einen Schlitz, der einem "Glory Hole" ähnelt) ein Bild Meryl Meisler 1978, der die Umarmungen zweier Frauen im Les Mouches Club in New York einfing.
Das Buch enthält außerdem seltenes Archivmaterial aus Mexiko und Buenos Aires aus den 1980er Jahren, das das Leben trans Gemeinschaften dokumentiert, sowie Del LaGrace Volcanos Fotografien der lesbischen Fet-Szene Londons.
Nachtleben als Form des Widerstands
Für queere Menschen war der Club oft der einzige Ort, an dem sie sich sicher fühlen konnten. Fotograf Ajamu X, der Londons schwarze Schwulenszene dokumentiert hat, stellt fest, dass viele ihre Identität offen offen angeben, aber gleichzeitig wegen ihres sexuellen Verhaltens marginalisiert werden. Das Buch feiert das "Handeln" und nicht nur das "Sein".
Der politische Subtext ist in den Aufnahmen zur HIV/AIDS-Epidemie am deutlichsten. Zum Beispiel sind Fotos der Vereinigung Act-Up Paris neben dem Slogan "SIDA is disco" (AIDS ist Disco) zu sehen. Eine weitere wichtige Aufnahme ist ein Porträt des Tänzers Michael Clarke von Geoffrey Hinton: Auf den ersten Blick ähnelt es einem Modeshooting, fängt aber tatsächlich die Folgen eines homophoben Angriffs ein.

Das Problem des "gefangenen" Rahmens
Trotz des festlichen Tons greift das Buch auch ethische Fragen auf. Theoretiker Mackenzie-Arbeit Weist auf die "verborgene Gewalt" der Fotografie hin, die den Körper "festhält" und aus der Bewegung zieht. Trans Menschen sind besonders sensibel dafür: "Wir sind anders geworden als auf unseren alten Bildern. Wenn du trans bist, kennst du das Problem", sagt Arbeit.
Warum spricht Doberman.media darüber?
Im Zeitalter der Smartphones, in dem jeder Schritt dokumentiert und "markiert" werden kann, wird die moderne Clubkultur oft anonym (viele Leute zeichnen Kameras am Eingang auf). Abrahams Anthologie befürwortet den "zufälligen Schnappschuss" als historisches Dokument. Wie der Autor Brontez Purnell anmerkt, besteht das Nachtleben nicht nur aus Clubs, sondern auch aus Park-Afterpartys und Nachtrestaurants, in denen Telefonnummern auf Servietten weitergegeben wurden. Für die Autoren des Buches sind diese verstreuten Aufnahmen "Baupläne" dafür, wie es möglich ist, queere Person in einer Welt zu sein, die es schon lange ignoriert.
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