Der Oberste Gerichtshof Estlands (das höchste Gericht des Landes) hat eine historische Entscheidung zugunsten von LGBT-Paaren getroffen. Das Gericht entschied, dass Der gleichgeschlechtliche Partner einer Person, der Asyl gewährt wurde, muss als Familienmitglied betrachtet werden, auch wenn ihre Beziehung im Herkunftsland nicht formalisiert war.
Inhaltsverzeichnis
Was ist passiert?
Der Grund für das Verfahren war die Situation eines Flüchtlings, dem in Estland internationaler Schutz gewährt wurde und der einen Partner mit nach Hause holen wollte, mit dem er mehr als zehn Jahre zusammengelebt hatte. Das Polizei- und Grenzschutzgremium lehnte den Antrag auf Familienzusammenführung ab. Die Beamten bezogen sich auf das Gesetz, wonach die Partner nur dann als Familie gelten, wenn vor der Ankunft in Estland eine offizielle Ehe oder Registrierung des Zusammenlebens erfolgt.
Warum war das unmöglich?
Anwälte des Estnischen Menschenrechtszentrums, die den Kläger vertraten, wiesen auf die Absurdität dieser Behauptungen hin. In dem Land, aus dem der Flüchtling kam, LGBT-Personen werden verfolgt, und die Registrierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist rechtlich unmöglich. So diskriminierte die etablierte Praxis LGBT-Familien und beraubte ihnen das durch die estnische Verfassung garantierte Recht auf Wiedervereinigung.
Was hat das Gericht entschieden?
Der Oberste Gerichtshof erkannte die Bestimmung des Gesetzes über die Gewährung des internationalen Schutzes für Ausländer (§ 7 (2)) an verfassungswidrig und ungültig. Das Gericht entschied:
- Wenn das Paar vor der Ankunft in Estland in einer echten Beziehung lebte, muss der Partner als Familienmitglied betrachtet werden.
- Diese Regel gilt in Fällen, in denen eine Heirat oder Registrierung von Verwandten im Herkunftsland aus Gründen außerhalb der Kontrolle des Paares nicht möglich war.
Warum ist das wichtig?
Laut dem Leiter des Menschenrechtszentrums, Egert Rünne, bestätigt diese Entscheidung das Recht gleichgeschlechtlicher Paare, in Estland eine Familie zu gründen. Seiner Aussage nach ist die Polizei nun verpflichtet, sich von Estnisches Rechtssystemund nicht die Gesetze der "nichtdemokratischen Staaten". Die Anwälte des Zentrums bezeichneten dieses Urteil als einen wichtigen Sieg, der den Rechtsraum des Landes verständlicher und inklusiver macht.


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