Der italienische Künstler Filippo Sorcinelli befasst sich seit vielen Jahren mit einer Tätigkeit, die höchsten Respekt vor der kirchlichen Tradition verlangt. In seinem Atelier mit dem Namen LAVS entstehen liturgische Gewänder für höchste Würdenträger der katholischen Kirche, und zu seinen Stammkunden zählen die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus.
Filippo Sorcinelli — offen schwul. Er spricht offen über seine Homosexualität und sieht darin keinen inneren Konflikt mit dem, was er tut. Nach Angaben des Designers versteht er seinen Glauben, seine Verbundenheit mit der katholischen Kirche und seine sexuelle Identität nicht als Gegensätze, sondern als «kreative Spannung», die seine Kunst und seine Arbeit befeuert.
Außerhalb des Vatikans und der kirchlichen Altäre ist Sorcinelli jedoch von einer ganz anderen Seite bekannt. Er kreiert Nischenparfümerie und greift Themen auf, über die man in der traditionellen Parfümwerbung lieber schweigt.
Auch das Thema Sexualität und Körperlichkeit findet offen Ausdruck in seinen Parfumkollektionen. Neben tiefen spirituellen und religiösen Düften (wie dem Weihrauchduft LAVS), bringt seine Marke äußerst provokante Kompositionen heraus (zum Beispiel Cruising Area oder Quickie And Coffee), inspiriert von der Gay-Kultur, flüchtigen Begegnungen und der Ästhetik des Erotischen.
Die Verbindung zur religiösen Atmosphäre begleitete Sorcinelli seit seiner Kindheit. Schon früh spielte er Orgel, verbrachte viel Zeit in Kirchen und interessierte sich für Kirchenarchitektur und Musik. Sein Weg in die Parfümerie begann mit einer praktischen Aufgabe. Beim Schneidern von Gewändern wollte der Meister, dass die an Kunden verschickten Kartons einen besonderen, wiedererkennbaren Duft haben. Allmählich wuchs diese Idee zu einem eigenständigen Projekt heran, und 2014 entstand sein Parfümhaus UNUM. Einige seiner Düfte, etwa Symphonie-Passion und Opus, sind direkt von der Atmosphäre von Heiligtümern, den Düften von Weihrauch, Wachs, altem Holz und Kirchengesängen inspiriert.
Dabei ist Parfümerie für Sorcinelli nicht nur eine Möglichkeit, gut zu riechen, sondern eine vollwertige Sprache, um über den menschlichen Körper, Begierden und verborgene Erlebnisse zu sprechen. Offen über seine Homosexualität sprechend, scheut er sich nicht, die Grenzen des strengen kirchlichen Etiketts zu überschreiten. In seiner Markenreihe gibt es ein Flakon mit dem Namen Quickie and Coffee, dessen Konzept aus der Erinnerung an ein kurzes intimes Treffen auf der Toilette einer Tankstelle entstanden ist. Ein anderer Duft, Cruising Area, ist der Atmosphäre geheimer Treffpunkte für Verabredungen gewidmet. Nach Ansicht des Autors kann ein Duft einen Menschen in jene Momente zurückversetzen, die sich nur schwer oder gar nicht in Worte fassen lassen.
Trotz dieser provokativen Themen pflegt Sorcinelli eine enge berufliche und persönliche Verbindung zur katholischen Kirche. In einem Interview mit der South China Morning Post betonte der Parfümeur, dass er kirchliche Institutionen aufrichtig respektiert und eine wechselseitige Achtung empfindet. Auch wenn die Beziehungen der Kirche zur LGBTQ+-Gemeinschaft schwierig bleiben, ist der Meister überzeugt, dass ein gläubiger Mensch sehr wohl Teil der Kirche bleiben und zugleich seine Sexualität leben kann. Einen unvermeidlichen Konflikt sieht er darin nicht, da er dies als seine persönliche spirituelle Haltung betrachtet.
Im Herbst 2026 stellte Sorcinelli in einem Interview mit dem Magazin Dazed sein neues Werk mit dem Titel Vulnus vor, was aus dem Lateinischen übersetzt „Wunde“ bedeutet. Das Design des Flakons imitiert verletzte Haut, und der Verschluss ist mit einem echten Abdruck menschlicher Zähne verziert. Um die gewünschte Form zu erreichen, biss der Autor persönlich in den Testrohling und hinterließ am Kunstobjekt eine physische Spur seines eigenen Körpers. Im Inneren des Flakons verweben sich Noten von Vanille, Jasmin, Leder und verbranntem Karamell, ergänzt durch einen kühlen metallischen Ton, der an rostendes Eisen erinnert.
In der offiziellen Präsentation verzichtet der Parfümeur auf die üblichen Werbeversprechen von Luxus oder Attraktivität. Stattdessen lädt er dazu ein, über Verletzlichkeit, menschliche Würde und die Wiedergewinnung des Selbstvertrauens nach schweren Prüfungen nachzudenken. Sorcinelli möchte zeigen, dass selbst schmerzhafte Erinnerungen und seelische Wunden zum Gegenstand von Kunst werden können. Seine Geschichte zeigt, dass menschliche Identität sich selten in eine einzige Definition fassen lässt und ein gewöhnlicher Flakon Parfüm mehr über einen Menschen erzählen kann als eine standardisierte Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Кто такой Филиппо Сорчинелли?
Филиппо Сорчинелли — итальянский художник, создатель литургических облачений и нишевой парфюмерии. Он открыто говорит о своей гомосексуальности и считает веру и сексуальную идентичность источником творческого напряжения.
Для кого ателье LAVS создает церковные облачения?
В ателье LAVS шьют литургические одеяния для высших иерархов Католической церкви. Среди постоянных заказчиков названы папы Бенедикт XVI и Франциск.
Как Сорчинелли начал заниматься парфюмерией?
Сначала он хотел придать коробкам с церковными облачениями особый узнаваемый запах. Эта идея превратилась в самостоятельный проект, и в 2014 году появился парфюмерный дом UNUM.
Чем вдохновлены ароматы Cruising Area и Quickie And Coffee?
Cruising Area посвящен атмосфере тайных мест для свиданий. Quickie And Coffee возник из воспоминания о короткой интимной встрече в туалете заправочной станции.
Что представляет собой аромат Vulnus?
Vulnus, название которого переводится с латыни как «рана», сочетает ваниль, жасмин, кожу, жженую карамель и холодный металлический оттенок. Флакон имитирует поврежденную кожу, а его колпачок несет отпечаток зубов автора.
Видит ли Сорчинелли конфликт между верой и гомосексуальностью?
Нет. Он считает, что верующий человек может оставаться частью Католической церкви и одновременно жить со своей сексуальностью.
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