Die moderne Staatspropaganda in Russland baut beharrlich eine Barriere zwischen "uns" und "ihnen" und stellt sich damit bestimmten "traditionellen Werten" westlichem Einfluss entgegen.
In dieser Rhetorik wird die sexuelle Freiheit von LGBTQ+-Personen zum Symbol für "Unmoral" und "Unnatürlichkeit". Allerdings, Historische Analyse zeigt, dass Homophobie in Russland ist eine relativ neue "Erfindung", und bis zum 20. Jahrhundert waren die Moralvorstellungen im Land oft sogar noch freier als die europäischen.
Inhaltsverzeichnis
Das alte Russland und das Russische Reich: Eine Ära relativer Freiheit
Entgegen moderner Vorstellungen hatte die orthodoxe Kirche in Russland nicht eine so strenge Autorität in Geschlechtsfragen wie katholische oder protestantische Institutionen in Europa. Die Sexualkultur der Bevölkerung war "primitiver" und freier.
Strafen: Im 16. Jahrhundert war kirchliche Buße üblicherweise für Analverkehr vorgeschrieben, und weibliche homosexuelle Kontakte wurden mit "Händchenhalten" gleichgesetzt und nur mit Fasten und Verbeugung bestraft.
Wahrnehmung von Ausländern: Europäische Diplomaten des 17. Jahrhunderts waren schockiert, wie offen und sogar scherzhaft "Sodomie" in Russland diskutiert wurde. Der katholische Priester Yuri Krizhanich stellte fest, dass in Russland dieses "Verbrechen" in Gesprächen öffentlich geprahlt wird.
Gesetzgebung: Die erste weltliche Strafe wurde 1706 von Peter I. eingeführt, betraf jedoch nur das Heer und wurde von den schwedischen Vorschriften übernommen. Für Zivilisten wurde die Strafe für Sodomie (Exil nach Sibirien) erst 1832 eingeführt, aber in der Praxis wurde sie äußerst selten angewendet: So wurden 1884 im gesamten Reich nur 10 Personen nach diesem Artikel verurteilt.
Im aristokratischen und intellektuellen Umfeld wurde homosexuelle Erfahrung als Teil des Alltags wahrgenommen. Romantische Beziehungen zwischen Männern störten nicht die Karrieren von Persönlichkeiten wie Fürst Alexander Golizyn oder Graf Sergei Uwarov. Gleichgeschlechtliche Motive waren offen in Lermontows Werken, Tolstois Tagebüchern und Mikhail Kuzmins Roman "Flügel" (1906) über homosexuelle Liebe zu einer echten Sensation und wurde vielfach nachgedruckt.
Die Sowjetzeit: von der Entkriminalisierung bis zum "Kreuzzug"
Nach der Revolution von 1917 schafften die Bolschewiki die strafrechtlichen Strafen für Sodomie ab. Wladimir Lenin sprach sich für die Aufhebung aller Verbote gleichgeschlechtlicher Liebe aus. Die Lage änderte sich jedoch radikal mit Stalins Machtübernahme.
In den 1930er Jahren erklärte Stalin "Kreuzzug" gegen die Sexualkultur. Homosexuelle wurden zu "Feinden" und "ungünstigen Elementen" erklärt. 1934 wurde der Strafartikel wegen Sodomie wieder eingeführt, und Lesbentum begann, als psychische Erkrankung zu gelten. Sex und Erotik wurden mit der "dekadenten westlichen Kultur" assoziiert, die dem sowjetischen Volk fremd war.
Von der "Sexuellen Revolution" der 90er Jahre zu einer neuen Ideologie
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR in den 90er Jahren kehrte die Welt des Sex in den Medienraum zurück. Es war die Zeit der Normalisierung von Alternativen zur Heteronormativität: Boris Moiseevs Clips wurden auf Staatskanälen gezeigt, und Bands wie Tatu nutzten queere Bilder. Das Ausmaß der Homophobie in der Gesellschaft begann zu sinken: Wenn 1989 84 % der Bevölkerung eine negative Einstellung gegenüber Schwulen hatten, dann Mitte der 90er Jahre — etwa 50%.
Der Wendepunkt kam 2012, als Homophobie wurde zu einem Element der Staatsideologie.
- Konstruktion des "Anderen": Die Behörden haben die Kategorien "traditionelle" und "nicht-traditionelle" Beziehungen eingeführt, wobei letztere automatisch als "nicht-russisch" und "gayropean" stigmatisiert werden.
- Gesetzesverbote: 2013 wurde ein Gesetz verabschiedet, das "Propaganda" verbietet, wodurch die LGBT+-Community effektiv marginalisiert und es nahezu unmöglich wird, ihre Rechte zu schützen.
- Die Erfindung der Tradition: Die moderne Rhetorik beruft sich auf eine idealisierte Vergangenheit, die tatsächlich nur in der Vorstellung von Ideologen existierte. Tatsächlich ist die aktuelle Politik Sowjetische Sexophobie neu denken In einer neuen nationalen Verpackung.
Aktuelle Situation und was getan werden kann
Heute belegt Russland den 64. Platz von 66 in der Rangliste der LGBT+-Rechte in Europa. Von den 76 Gleichstellungskriterien werden weniger als 6 im Land erfüllt.
Um die Situation zu ändern, ist es notwendig:
- Unterstützung Unabhängige Publikationen, wie zum Beispiel das schwule Magazin Doberman Media, das der Gemeinschaft hilft, Rechte zu beanspruchen und gegen Gewalt zu kämpfen. [Поддержать]
- Überprüfen Sie das System der Geschlechterkategorien: Homophobie und Frauenfeindlichkeit werden existieren, solange Heterosexualität als einzige "Norm" wahrgenommen wird und alles andere als "Abweichung".
- Um die Künstlichkeit von "Traditionen" zu erkennen: Es ist wichtig zu verstehen, dass die heute auferlegten Standards wenig mit der tatsächlichen Geschichte unserer Vorfahren zu tun haben. Tradition ist kein moralischer Maßstab, sondern eine politische Idee, die genutzt wird, um die tatsächlichen Interessen der Macht zu erreichen.

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