1981 wurde der 18-jährige Tim Curran Beklagter in einer der auffälligsten Klagen der US-Geschichte im Zusammenhang mit LGBTQ+-Rechten. Er wurde aus den Boy Scouts of America (BSA) ausgeschlossen, nachdem er offen seine Orientierung erklärt hatte. Fast ein halbes Jahrhundert später zieht Curran seine Uniform wieder an und bringt Kindern das Knotenbinden in einer der Manhattan-Trupps bei. Seine Rückkehr erfolgt inmitten einer neuen Runde politischer Auseinandersetzungen: Die Donald-Trump-Regierung und das Pentagon fordern, dass die Pfadfinder die "progressive Agenda" aufgeben.
Dieses exklusive Material erschien am 29. März 2026 im Magazin Personen. Dies ist eine angepasste Version des Textes. Das Original kann gelesen werden Hier: Aus den Pfadfindern ausgeschlossen, weil er schwul war, klagte Teen – und verlor. 45 Jahre später ist er wieder als Pfadfinderleiter (exklusiv)
Inhaltsverzeichnis
Wie Tim Curran zum "ersten Exilanten" wurde
Tim Curran trat im Alter von 14 Jahren den Pfadfindern in Berkeley, Kalifornien, bei. In seinen eigenen Worten war er ein "schüchterner Teenager", dem Selbstvertrauen fehlte, und das Scouting half ihm, dieses zu gewinnen. Mit 18 Jahren hatte er den höchsten Rang, den Eagle Scout, erreicht und zu diesem Zweck eine spezielle Einheit für schwerhörige Kinder gegründet.
Die Probleme begannen 1980, als Curran einem Interview mit einer Lokalzeitung zustimmte Oakland Tribune. Der Artikel veröffentlichte ein Foto von Tim mit seinem Partner auf dem Abschlussball. Obwohl die Anführer seiner örtlichen Einheit zunächst keinen Einspruch hatten, nahm die nationale Führung der Organisation eine harte Haltung ein. Als Curran sich 1981 beim National Jamboree bewarb, erhielt er ein Ablehnungs- und Ausschlussschreiben aus der Organisation.
Curran klagte mit Unterstützung der ACLU (American Civil Liberties Union). Sein Fall durchlief alle Instanzen in Kalifornien, und eine ähnliche Klage eines anderen Scouts erreichte später den Obersten Gerichtshof der USA. In beiden Fällen stimmten die Gerichte den Pfadfindern zu und bestätigten ihr Recht als private Organisation, ihre Mitglieder auszuwählen und "Unerwünschte" auszuschließen.
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Warum haben die Pfadfinder ihre Meinung geändert?
Jahrzehntelang blieb die Politik der Boy Scouts of America unverändert, doch in den 2010er Jahren stand die Organisation vor einer ernsten Krise:
- Rückgang der Zahlen: Die Zahl der Teilnehmer nahm stetig ab.
- Insolvenz: Die Organisation meldete nach Tausenden von Klagen von Führungspersönlichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten Insolvenz wegen sexueller Übergriffe an.
- Werteänderung: 2013 erlaubte die Organisation offen schwule jugendliche Führungspersönlichkeiten, sich ihren Reihen anzuschließen, und 2015 erwachsene Führungspersönlichkeiten.
Im Jahr 2024 änderte die Organisation sogar ihren Namen in Pfadfinder Amerikaum ihre Inklusivität zu betonen (seit 2018 werden auch Mädchen aufgenommen).
Wieder aktiv werden und die Reaktion der Kinder
Jetzt ist Tim Curran 64 Jahre alt. Den Großteil seines Lebens arbeitete er als Journalist und Dokumentarfilmer, doch nach seiner Pensionierung entschied er sich, zu seinem alten Hobby zurückzukehren. Im vergangenen Herbst wurde er eingeladen, bei der Einheit 662 in Manhattan ehrenamtlich zu arbeiten.
Im Januar 2026 erzählte Tim während des traditionellen Lagerfeuers zum ersten Mal modernen Pfadfindern seine Geschichte. Die Reaktion der Kinder war für ihn unerwartet. Der 11-jährige Scout Marco Cimica verglich die Verbote der Vergangenheit mit dem "dunklen Mittelalter" und bezeichnete Tims Auftritt als "sehr mutig". Der Vater des Jungen bemerkte, dass sein Sohn aufrichtig empört über das Unrecht war, dem Curran ausgesetzt war.
Curran selbst gibt zu, dass die Geschichte ihm "den Atem raubte": Er hatte vor 45 Jahren nicht erkannt, wie traumatisch das Exil war. Jetzt lernt er die Namen von Knoten neu und übt Bogenschießen, um das Trainingsniveau moderner Kinder zu erreichen.
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Ein neues Duell: Scouts gegen das Pentagon
Currans Rückkehr fiel mit einer Phase starken politischen Drucks auf die Pfadfinderbewegung zusammen. Die Trump-Regierung und das Pentagon haben Unzufriedenheit mit dem Kurs der Organisation in Richtung "Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion" (DEI) geäußert.
Was Anfang 2026 geschah:
- Das Pentagon hat damit gedroht, langjährige Partnerschaften mit Pfadfindern zu beenden, darunter die Durchführung nationaler Kundgebungen und die Unterstützung von Truppen auf Militärstützpunkten.
- Vertreter des Verteidigungsministeriums bezeichneten die "Ideologie der Geschlechterfluidität" als für die Werte des Ministeriums inakzeptabel.
- Als Antwort darauf Pfadfinder Amerika kompromittiert: Das Abzeichen "Citizenship in Society" (für DEI gedeibent) wurde aus den verpflichtenden Anforderungen für den Rang eines Adlers entfernt und durch ein neues "Military Service"-Abzeichen ersetzt, das gemeinsam mit dem Pentagon entwickelt wurde.
Die Führung der Organisation weigerte sich jedoch, der Forderung nachzukommen, Transgender-Personen auszuschließen. Präsident Pfadfinder Amerika Roger Crone sagte unverblümt: "Wir haben trans Personen im Programm, und sie werden auch in Zukunft dabei sein."
Für Tim Curran ist seine Rückkehr keine politische Handlung, sondern eine "persönliche Freude und ein Segen". Er bezeichnet sich selbst als "Fußnote in der Geschichte" oder als "Asterisque", worauf er sehr stolz ist.
"Aufgeschobene Gerechtigkeit ist nicht immer eine Gerechtigkeit, die verweigert wurde", sagt er und betont, dass er sich freue, eine Organisation zu sehen, in der Kinder ihre Identität nicht mehr verbergen müssen. Trotz der neuen politischen Stürme glaubt Curran, dass die Pfadfinderbewegung für alle Kinder und Führungskräfte offen bleiben kann.


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